Teil eines Werkes 
3. Band, 2. Abtheilung (1858)
Entstehung
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auf dem Hradſchin in der Domkirche geſchehen ſchreckliche Dinge!

Was denn? Was gibt es? tönten ihm die Fragen entgegen.

Die Kirche iſt von ruchloſen Menſchen erfüllt, die Alles zerſchlagen und zerſtören!

O Himmel! rief Eliſabeth aus.Das ſind gewiß Ausbrüche des blinden Religionseifers, vor denen Thurn ſchon den König gewarnt, ihm die dringendſten Vorſtellungen darüber gemacht hat!

Sie wollen die Heiligenbilder zerſtören, die Crucifixe herabreißen, erzählte der Diener bleich vor Grauen über den Frevel.

Unmöglich, unerhört! rief Thereſe, die, wie ſtets bei großen Ereigniſſen, von höherem Geiſte ergriffen wurde, der ſo wunderbar in ihr flammte.Das wäre eine That, die um Rache gen Himmel riefe! Für unſeren Glauben, für unſere Kirche, für das höchſte Heiligthum unſerer Herzen, haben wir den furchtbaren, blutigen Kampf begonnen, der jeden Tag ſchwerer auf uns laſtet, uns jeden Tag mit neuen Schrecken heimſucht! Und dieſes Heiligthum wollte man frevelnd antaſten? Unmöglich! Das dürfen wir nicht dulden!

Ich will zu Thurn ſenden er iſt im Kriegsrath beim Fürſten Anhalt rief Eliſabeth.

Wir müſſen ſelbſt hinauf! Mit unſeren Leibern die Heiligthümer zu ſchützen! rief Thereſe begeiſtert.

Draußen wuchs das ſchauerliche Getöſe. Ein dunkler Strom von Menſchen trieb ſich am Hauſe vorbei nach den Aufgängen zum Hradſchin hin.

Thereſe, die in ſolcher Stimmung nur dem Gebot des Geiſtes gehorchte, der ſie erfüllte, war ſchon hinausgeeilt.