Teil eines Werkes 
3. Band, 2. Abtheilung (1858)
Entstehung
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ſelbſt, der Gott des Geiſtes und der Wahrheit, befiehlt die Zerſtörung der ſchnöden Werke des Sinnenreizes!

Eine Schaar der Bilderſtürmer drang auf dieſes Wort gegen das herrliche Altarbild, von Lukas Cranach gemalt, an und riß es herab, daß es über den Altar hinſtürzte. Der Goldrahmen wurde zerſchmettert; mit dem Schwerte fuhren pfälziſche Kriegsknechte durch die Leinwand und ſchnit⸗ ten die Häupter der Heiligen, der Mutter Gottes und des Erlöſers ſelbſt, die darauf abgebildet waren, heraus.*)

Allmächtiger! rief Thereſe aus, die an ihren Vater gelehnt ſtarr auf den Frevel blickte.Sie legen auch die verruchte Hand an den Heiland ſelbſt!

Eine Rotte war zu dem großen Crucifix über dem Altar hinangeklettert; ſie ſchlangen Seile um daſſelbe und zerrten es herab. Es zerſchmetterte mit einem, die ganze Kirche erfüllen⸗ den, und das lärmende Geſchrei der Zerſtörer mächtig über⸗ ſchallenden Getöſe auf den Boden nieder und brach in Stücke.

Biſt du Gottes Sohn, rief ein Ruchloſer höhnend, ſo hilf dir ſelbſt!

Das war der Gipfel des äußerſten Verbrechens! Die Frevler ſelbſt bebten zurück von dunkler Ahnung entſetzt. Ein Augenblick tiefer, ſchauerlicher Stille herrſchte im Tem⸗ pel des Herrn.

Da erhob ſich Thereſe in der Kraft ihrer gottdurch⸗ glühten Seele. Sie trat auf die Altarſtufen, daß ſie die Menge überragte, hub ihre Rechte gen Himmel und rief:

Wehe über euch! Dieſen Frevel wird der Herr rächen! Wehe der Lippe, die ihn gebot, wehe der Hand, die ihn be⸗ ging, wehe der Zunge, die dieſe Läſterworte ausſprach!

*) Hiſtoriſch.