Teil eines Werkes 
3. Band, 2. Abtheilung (1858)
Entstehung
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Fünfunddreißigſtes Capitel.

Die Gräfin Thurn ſaß mit Thekla in einem Erker ihres Palaſtes zu Prag; Thereſe ſtand neben ihnen und blickte auf die Gaſſe hinaus. Plötzlich that ſie einen lauten Schrei.Der Vater! Der Vater! rief ſie und flog an die Thür.

Mit überraſchtem Staunen ſahen auch Thekla und Eli⸗

ſabeth aus dem Fenſter; vier Reiter, unter ihnen Wo⸗ lodna, der ſeit ſo langer Zeit Vermißte, ritten auf das Haus zu. Wolodna ſchwang ſich vom Pferde, Thereſe flog

aus der Thür, ſie lagen einander in den Armen. In we⸗ nigen Augenblicken waren Beide oben im Gemach.

.Wolodna! Ihr ſeid es wirklich! Gott ſei geprieſen! Mit dieſem Ausruf begrüßte ihn Eliſabeth.Welche Sor⸗

gen haben wir um Euch gehabt! Wo waret Ihr ſo lange? Wolodna fand keine Worte, er hing in den Armen The⸗ reſens, die ihn mit Küſſen faſt erſtickte.Ach, mein Kind, mein Kind! rief er endlich,was habe ich erduldet! Endlich doch ein Augenblick des Glücks in dieſer Zeit ſchwerer Trübſal, ſeufzte die Gräfin vor ſich hin. Erduldet? fragte Thereſe.Um Gottes willen, was iſt Euch begegnet, Vater! Mir iſt noch Alles wie ein Traum. Ein Wunder Gottes iſt an mir geſchehen! rief er aus und blickte mit feuchten Augen gen Himmel.Ja, ein Wunder! wieder⸗ holte er fromm und ſank erſchüttert in die Knie.Dank, Dank, du Allgütiger, daß du mich zurückgeführt haſt zu den Meinen!