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ich den läſterlichen Unfug aus dem Tempel Gottes, wie der Herr die Schächer auswies! Ich kann nicht die Kanzel betreten, nicht das reine Wort predigen am Weihnachts⸗ feſte, wenn dies Gotteshaus nicht zuvor gereinigt iſt!“
„Darf ich zerſtören, was ſeit Jahrhunderten her un⸗ angetaſtet die heilige Stätte ſchmückt? Soll ich zertrümmern, was Die verehren, welche mich zum Schutz ihres Glaubens hierher berufen?“ fragte der König in ſchwankender Seelen⸗ angſt.„Soll der König dieſes Landes das den Be⸗ wohnern dieſes Landes thun?“
„Ja, das darf er, das ſoll er für ihr wahres Heil thun!“ rief Scultetus fanatiſch aus.„Ich nehme es auf mein Haupt! Wenn dem irdiſchen Könige die That Be⸗ denken erregt, der Diener des himmliſchen Herrn iſt bereit, ſie zu vollführen!“
Friedrich ſtand im heftigen Kampfe mit ſich ſelbſt.„Ich kann das nicht befehlen“, rief er endlich verzweiflungsvoll. Die Königin ſchluchzte; ſie wollte ſich dem Könige zu Füßen werfen; er zog ſie an ſein Herz.
„Ich nehme es auf mein Haupt“, rief Scultetus noch⸗ mals flammend vor Eifer.„Wenn nur Ew. Majeſtät Dem nicht wehren, was ich im Drange meiner heiligen Pflicht vollführen will, ſo ſoll das Haus des Herrn noch heut ge⸗ ſäubert ſein und ſein Feſt begangen werden an gereinigter Stätte!“
„So geſchehe denn, was Ihr verlangt! Aber Euer iſt die That und ihre Verantwortung, nicht meine!“ gab der König in wankender Schwäche nach.
„Alſo will ich!“ rief der Geiſtliche mit eiferglühendem Antlitz.„Dann wird Gottes Antlitz wieder gnädig leuchten über uns!“


