„Eben das iſt ein Wunder“, fuhr Scultetus, den jetzt der Eifer der Selbſterhitzung ganz hinriß, fort,„daß ich hier in Prag auf der Kanzel ſtehen und von der innerlichen Herrlichkeit der Kirche Gottes predigen kann! Darum rufe ich aus:»Gott iſt unſer Gott, und unbegreiflich iſt es, wie er regiert.“*)— Aber wie er für uns war, wird er auch wider uns ſein und uns ſchlagen mit ſeiner Ge⸗ walt, wenn wir von ihm abfallen! Die Heiden hat ſein Blitz getroffen, die Feinde hat ſein Wort zermalmt! Sein Wort wird auch uns zermalmen, wenn wir ſeine Kirche heidniſch entweihen!— O, darum flehe ich Ew. Majeſtät an, in meinem heiligen Beruf als ein getreuer Diener Got⸗ tes, daß ein Ende werde dieſen Greueln! Das höchſte chriſtliche Feſt, die Weihnacht, die Geburtsnacht unſeres Herrn Jeſus Chriſtus, iſt nahe! Sollten wir zu dieſer heiligen Feſt⸗ zeit annoch in einem Götzentempel knien und beten?“
„Nein, nein! Es muß den Zorn des Herrn auf uns laden!“ brach die Königin weinend aus.
„Und was verlangt Ihr?“ fragte der König ganz er⸗ ſchüttert und beſtürzt.
„Und wenn der Götzendienſt geduldet wird im Lande, wenn er geduldet wird in den Kirchen dieſer ſfündigen Stadt, wenn die Finſterniß ſich noch lagert rings umher: in der Kirche, wo Ew. königlichen Majeſtäten ihre Andacht verrichten, wo ich ſelbſt des heiligen Amtes warte, da dürfen länger nicht die Götzenbilder geduldet werden! Ich darf ſie nicht dulden! Ich bin der geweihte Diener der Gottesverehrung im Geiſte und in der Wahrheit! Meines Berufes, meiner Pflicht iſt es, ſie zu vernichten, und müßte ich ſie mit eigner Hand zertrümmern! Hinaustreiben muß
*) Hiſtoriſch.
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