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Friedrich, der ſeiner Gemahlin gegenüber gewöhnlich Das bekämpfte, was er vor ſeinen Räthen vertheidigte.
„Wie? antwortete ſie.„Sind nicht Heiligenbilder darin aufgeſtellt? Und Crucifixe und Bilder der Mutter Gottes; und flimmert nicht Alles von jenem äußerlichen Tand und gottloſen Spielwerk der Katholiſchen? Von eitel Silber und Gold, Bild⸗ und Schnitzwerk?“
„Die Utraquiſten verehren die Heiligen, aber ſie beten ſie nicht an— ſie laſſen ihnen nur die Stellen in der Kirche, wo ſie von Alters her gewohnt geweſen, ſie zu ſehen und ſich ihres frommen Lebens zu erinnern“, be⸗ gütigte Friedrich ſeine Gemahlin.
„Es iſt ein Greuel für mich!— Und du ſollteſt nur Scultetus darüber hören!“
Sie waren indeſſen allgemach bis an das Wohnzimmer der Königin gekommen, wo Scultetus noch verweilte.
„O, Geſalbter in dem Herrn“, empfing er den König, aus deſſen wie aus der Königin Zügen er errieth, daß ſchon zwiſchen Beiden von dem Gegenſtande die Rede geweſen ſei, von dem er zu ſprechen beginnen wollte.„Ich bitte de⸗ müthig um Vergebung, daß ich mein volles Herz ausge⸗ ſchüttet habe zu Füßen Ihrer Majeſtät der Königin! Allein weß das Herz voll iſt, deß fleußt der Mund über! Und mein Gewiſſen gebietet mir zu reden!“
„Sprecht es gerad aus, Herr Hofprediger“, entgegnete der König,„was fordert Euer Gewiſſen?“
„Ich beſorge in meinem Innerſten“, begann Scultetus, „daß Ew. Majeſtäten, daß wir Alle Gottes gnädige Allmacht wider uns haben würden, wenn es länger geduldet würde, wie ſein reines Wort entſtellt und der Tempel des Herrn durch ſchmachvollen Bilderdienſt entweiht wird! Ew. Ma⸗ jeſtät haben den ſchweren Königsberuf nicht um eitlen welt⸗


