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eindrang, ſie möge ſo eilig und ſo nachdrücklich als möglich auf den König einwirken, daß ſowol die ketzeriſchen und gottes⸗ läſterlichen Misbräuche, wie er ſie bezeichnete, in den böh⸗ miſchen Kirchen im Allgemeinen abgeſtellt würden, ganz be⸗ ſonders und ſofort aber auch in der prager Schloßkirche. Denn er könne es nicht in ſeinem Gewiſſen verantworten, das herannahende Weihnachtsfeſt— man ſchrieb ſchon den 21. December— in einer Kirche zu begehen, die voll gottes⸗ läſterlicher Zeichen des Bilderdienſtes ſei, und in der die Beſucher dieſen immer noch forttrieben. Denn vor den Cru⸗ eifiren beteten ſie den Herrn in leiblicher Geſtalt an, gleich⸗ wie in einem Götzenbilde; und vollends vor den Heiligen⸗ bildern trieben ſie abergläubiſche Abgötterei mit ſterblichen, ſündhaften Menſchen.
Friedrich fand ſeine Gemahlin in Folge dieſer zelotiſchen Beſtürmungen in der höchſten Aufregung; die Thränen ſtan⸗ den ihr in den Augen.
„Was haſt du, meine Theuerſte“, fragte er ſie mit theilnehmender Beſtürzung, als ſie allein im Nebenzimmer waren.„Was iſt dir? Du weinſt ja!“
„O, mein theurer Friedrich“, entgegnete ſie, in vollen Thränen ſich ergießend,„ſollen wir darum unter Gefahren und Kämpfen einen Königsthron beſtiegen haben, daß wir an unſerer Seele Schaden nehmen, daß die Reinheit un⸗ ſeres Glaubens erſchüttert werde? Du glaubſt gar nicht“, fuhr ſie fort, Scultetus' Worte faſt wiederholend,„welche Greuel hier vorgehen in Prag! Ich kann die Kirche nicht betreten, die ein wahrer Götzentempel iſt! Unſere eigene Schloßkirche, wo ich meinen Gottesdienſt verrichten ſoll, hegt und pflegt den Bilderdienſt und den ſündigen Aber⸗ glauben, der Menſchen gleich Göttern anbetet!“
„Wie kannſt du das ſagen und glauben“, antwortete
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