Teil eines Werkes 
3. Band, 2. Abtheilung (1858)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

1

245

den ſtiftet und den Frieden ſtört, ſtatt ihn zu befeſtigen! ſetzte er mit einem unzweideutigen Blick auf Scultetus hinzu. Dieſer aber nahm ihn nicht wahr in ſeinem neu entzündeten heiligen Zorn, oder wollte ihn nicht wahrnehmen.

Ja wohl, rief er faſt lauter, als es ſich in einem Zimmer des Palaſtes geziemte,dieſer Eifer der Baals⸗ prieſter, der Götzendiener iſt fluchwürdig zu nennen! Ach, der wahre, gereinigte Glaube wird noch lange kämpfen müſſen gegen die alten Erbſünden, die ſich von Vätern auf Söhne vererben! Auch in dieſem Lande, welche harte Ar⸗ beit haben wir gegen die alten böſen Wurzeln des römi⸗ ſchen Antichriſtenthums!

Ich denke, hochwürdiger Herr, ſagte Rippell,was von dieſen alten Wurzeln keinen Lebenstrieb mehr hat, wird bald von ſelbſt verweſen. Wenn man zu wild ausrodet, zerſtört man leicht manches gute Gewächs ringsum!

Nimmermehr, nimmermehr, mein theurer Freund Rip⸗ pell! Der Same des Unkrauts wuchert immer neu, wenn er nicht unabläſſig mit Schaufel und Hacke, ja mit Feuer vertilgt wird! Es iſt ſelbſt beſſer, daß der Weizen zugleich mit dem giftigen Unkraut vertilgt werde, damit doch in künftigen Jahren der Acker reine Frucht trage! So denkt auch unſere hochverehrte, allergnädigſte Königin! In ihrem reinen Herzen iſt ſie voller Gewiſſenſcrupel über das kirch⸗ liche Unweſen, das annoch in dieſem Lande herrſcht, und was ſie und ich vermögen auf unſeren gnädigſten Herrn, das ſoll geſchehen, um es mit allen Wurzeln auszurotten!

Der König, rief Camerarius leiſe.

König Friedrich trat ein.Seid mir gegrüßt, werthe Herren, ſprach er mit gütigem Ton, doch mit nicht ſehr heiterer Miene. Er ging zuerſt auf Scultetus zu und reichte ihm die Hand.Ich freue mich, Euch wiederzuſehen, ehr⸗