Teil eines Werkes 
3. Band, 2. Abtheilung (1858)
Entstehung
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geſchieht keiner, kann.*)

Die Volksmaſſen auf der Gaſſe drängten jetzt dem Thore zu. In der Mitte der Straße wurde es ganz frei, weil jetzt die Ordnung ſtrenger aufrecht erhalten werden mußte.

Eine feierliche Stille folgte plötzlich dem unruhigen Brauſen, das zuvor in der Menge herrſchte, und erhob die Bruſt. Im Tiefſten wurde jedes Herz bewegt, als jetzt das hehre Glockengeläute von allen Thürmen Prags herabklang. Es bezeichnete den Augenblick, wo der neue Beherrſcher Böh⸗ mens in das Thor ſeiner Hauptſtadt einritt; der erhabene Gruß der Frömmigkeit und des Friedens ſollte ihn empfan⸗ gen. Von dem zackig emporragenden Thurme der Schloß⸗ kirche ertönte der erſte feierliche Klang der tiefen Glocken; alsbald ſtimmten die ehernen Zungen fern und nahe ein, von diesſeit und jenſeit des Stromes, und alle Lüfte wur⸗ den durchſchwebt von den Klängen, die das menſchliche Herz ſo tief bewegen, deren Schall die heiligſten Erinnerungen weckt, die erhebendſten Stimmungen in der Seele erneuert! Es war als müſſe in dieſem Augenblick die ganze Volks⸗

maſſe auf die Knie ſinken, im Dankgefühl gegen den All⸗ gütigen.

weil die Frau Kurfürſtin es nicht vertragen

Die feierliche Stille konnte nur wenige Secunden dauern 4 ſie wurde zuerſt aus der Ferne unterbrochen, weil man den jubelnden Ruf vom Thore her vernahm, mit welchem der einziehende Hezrſcher vom Volke begrüßt wurde. Näher und näher ſchwoll der Jubel heran. Jetzt hörte man auch ſchon den Schall der Zinken, Trompeten und Pauken, die den Zug eröffneten; man erblickte die über der Volksmenge

*) Hiſtoriſch.