Teil eines Werkes 
3. Band, 2. Abtheilung (1858)
Entstehung
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ihnen, und froher Muth verkündete ſich durch Scherz, Lachen und Geſang.

Die Jahreszeit ließ, da es ſchon mit dem October zu Ende ging, die Erheiterungen im Freien nicht mehr zu. Allein wo nur in der Stadt ein Haus war, in welchem Bier oder Wein geſchenkt wurde, das ſah man dicht ge⸗ füllt, und beim friſchen Krug, beim vollen Becher Herren und Ritter, Bürger und Handwerker im belebten Geſpräch.

Vor allen aber war Jakob Steffecks Haus am großen Ring der Altſtadt zahlreich beſucht. Im Kellergeſchoß, wo die Reihen mächtiger Fäſſer lagerten, und im Stockwerk zu ebener Erde, ſammelten ſich hier die Gäſte aus allen Stän⸗ den; ſelbſt Frauen und Jungfrauen, da viele der Fremden an ſolchen öffentlichen Orten ſpeiſen mußten, was dann auch den Beſuch durch die einheimiſchen Familien nach ſich zog. Vielfach erblickte man daher jetzt an den Tiſchen, wo ſonſt nur die Männer ihren Krug leerten, auch ehr⸗ ſame Hausfrauen und ſittige Töchter, und das bunte Leben wurde dadurch noch heiterer, denn der Geiſt der Fröhlich⸗ keit ergriff leicht Alle, wo der Geiſt des Weins ſeine bele⸗ bende Kraft übte. Aber das Hochgefühl dieſer Tage bil⸗ dete den Schutz gegen jede Ausſchweifung. Schon an ſich belebte ein höherer Geiſt der Bildung die Bürger Prags. In den trefflichen Schulanſtalten der Utraquiſten wurden ſelbſt Die, welche ſich den Handwerksſtänden widmeten, forgfältig unterrichtet; es war nichts Seltenes, daß die Handwerksmeiſter eine für jene Zeit ausgedehnte Beleſenheit hatten und ſelbſt das Lateiniſche geläufig verſtanden. In der gehobenen Stimmung der Zeit erhöhte ſich dieſer edle Geiſt noch und Alles Unwürdige war aus den gemeinſamen Zuſammenkünften nicht ſowol verbannt, als es ſich von ſelbſt fern hielt, da ihm nirgends ein Zugang geöffnet wurde.