Teil eines Werkes 
3. Band, 2. Abtheilung (1858)
Entstehung
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die Städte Breslau, Olmütz, Brünn, Iglau hatten ihre Abgeordneten. Es war als ob ein neuer Tag für das Land angebrochen ſei, eine neue Sonne des Glücks ihm ſtrahle. In allen Straßen bewegte ſich ein buntes, fröh⸗ liches Gedränge. Man ſah nicht das unheimliche Wo⸗ gen wie in den Tagen des Mai im verwichenen Jahre, wo der Kampf ſich vorbereitete und beide Theile ſich dazu rüſteten, die einen offen, die andern insgeheim. Damals waren die Gaſſen Prags bewegt von düſtren Geſtalten, von Männern mit zornblickenden, wilden Augen, oder von Zügen ſchwer Bewaffneter, im Dienſt der Statthalter; da⸗ zwiſchen ſcheu umſchauendes Volk, zumeiſt Männer in un⸗ ruhigen Gruppen murmelnd. Jetzt überall ein lebendiges Treiben und Drängen von Frauen und Männern durch⸗ einander, mit freudigen Geſichtern, im eifrigen Geſpräch. Jeder hatte einen Freund, einen Verwandten am Arm, der ihn als Gaſt beſuchte und dem er die prächtige Stadt Prag ſammt den Anſtalten zum Empfang des neuen Königs zeigte. In Feſtkleidern wallte die Menge durch die Gaſſen, über die Brücke zum Hradſchin hinauf. Kriegsleute ſah man auch, wiewol wenig, da die meiſten draußen im Felde lagen, unter Thurn, Fels, Schlick und Mansfeld; doch ſie boten keinen drohenden Anblick dar, ſondern einen friſch ermuthigenden. Denn ſie waren nicht vom Kopf bis zur Zeh mit Eiſen umpanzert, ſondern zeigten ſich in feſtlicher Tracht mit bunter Feldmütze oder blanken Helmen und Waffen, ohne Bruſtharniſch im ſaubern

Koller. Sie marſchirten nicht mit ſchwerem, gleichför⸗

migem Tritt, in ſtarren enggeſchloſſenen Rotten, ſondern miſchten ſich unter das fröhliche Volk. Der ſtattliche Kriegsmann hatte ein ſchmuckes Mädchen an der Seite, oder er ging von Bürgern umringt, Arm in Arm mit