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Bewohner waren hinausgegangen in die Weinberge, dem letzten frohen Geſchäft des Jahres obzuliegen. Doch dieſe Luſt verklang dem Ohre zu fern, um die Stille, die über dem Landſchaftsbilde gelagert war, zu unterbrechen. Das jugendliche, an Liebe und Wohlwollen reiche Herz des Für⸗ ſten war wehmuthsvoll bewegt. Er ſagte innerlich ein tie fes, leiſes Lebewohl Allem, was ſeine Jugend hier erfreut hatte. Eine Thräne ſogar trat in das Auge, das ſonſt ſo friſch, faſt zu leicht in die Welt blickte. Da fühlte er eine Hand auf ſeiner Schulter, betroffen ſah er ſich um.
„Friedrich“, ſagte eine ſanfte Stimme.
„Mutter!“ rief der Kurfürſt überraſcht.„Du hier! Ich wollte dich beſuchen— und nun Abſchied nehmen“, ſprach er ſchnell hintereinander, ſehr bewegt.
„Abſchied nehmen! Ja, dazu bin ich zu dir gekommen, mein lieber Sohn“, antwortete die Kurfürſtin mit weichem Tone.
„Du— du biſt von deinem Krankenlager aufgeſtanden— beſte Mutter....“
„O, mein Sohn! Meine Krankheit iſt nicht eine, die durch Arznei geheilt wird, noch findet ſie Linderung auf meinem Lager“, entgegnete die Kurfürſtin.„Mein Herz iſt krank von Sorge und Befürchtung!“
„Meine Mutter!“ unterbrach ſie der Kurfürſt mit bit⸗ tendem Tone.
„Sei ruhig“, erwiderte ſie,„ich komme nicht mehr, dich zu warnen, dir abzurathen. Was ich dir ſagen konnte, habe ich dir geſagt; es wäre jetzt doch Alles zu ſpät!— Allein ich konnte nicht an euren Feſtlichkeiten, nicht an euren Freuden theilnehmen! Darum blieb ich in meinem ein⸗ ſamen Gemach— aber mein Sohn, ich habe für dich


