Teil eines Werkes 
3. Band, 1. Abtheilung (1858)
Entstehung
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die Feldoberſten, die Stadtälteſten von Heidelberg waren dazu geladen. Mancher Trunk wurde dem neuen Glück und Glanz, das dem alten Fürſtenhauſe winkte, darge⸗ bracht! Der junge Fürſt glühte in Freude und Leutſelig⸗ keit; die Kurfürſtin war das Bild des Liebreizes, der an⸗ muthvollſten Huld. Es ſchien, daß mit dem erhöhten Glanze ihrer Krone ihr Sinn um ſo milder, herablaſſender wurde. In dem Rauſche der Freude vergaß es der Kur⸗ fürſt, was ihm anfangs doch wie ein dunkler Schatten in das Licht dieſes Tages gefallen war, daß ein Platz an ſeiner Seite nicht ſo beſetzt war, wie er ſein ſollte. Seine Mutter fehlte bei der Tafel! Und er überſah es, daß ein ernſter Gaſt am Tiſche ſaß, der Rath Leander Rippell.

Der Kurfürſt hatte die Kurfürſtin Luiſe Juliane gleich nach der Kirche beſuchen wollen; doch da er bei ſeiner An⸗ frage den Beſcheid erhielt, die Kranke ſchlummere eben ein wenig, hatte er es unterlaſſen müſſen.

Das Banket war zu Ende. Der Aufbruch ſollte noch an dieſem Tage geſchehen. Der helle Mondenſchein mußte benutzt werden, um die Reiſe die Nacht hindurch fortzu⸗ ſetzen bis zum folgenden Abend, wo das erſte Nachtlager in Mergentheim feſtgeſetzt war. Nach zwei Punkten waren Pferde vorausgeſchickt, um bei den ſchweren Wegen und ſchwerfälligen Wagen dieſe Stadt am nächſten Abend er⸗ reichen zu können.

Vom Banketſaale begab ſich der Kurfürſt in ſein Ge⸗ mach, um ſich ſofort zur Reiſe umzukleiden. Die Wagen ſtanden ſchon angeſpannt im Schloßhofe. In der nächſten Viertelſtunde ſollte er ſein ſchönes Heidelberg mit dem alter⸗ thümlichen Schloß, von dem jedes Fenſter auf geſegnete Fluren herabſchaute, verlaſſen! Er ſollte dieſen ſtolzen ritter⸗