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„Und“, ſchloß er die eiferglühende Rede, wiederum an die Worte der Schrift anknüpfend,„wie der Herr zu Joſua geſprochen, alſo redet er auch zu dir:«Siehe, ich habe dir geboten, daß du getroſt und freudig ſeieſt! Laß dir nicht grauen und entſetze dich nicht! Denn der Herr, dein Gott, iſt mit dir in Allem, was du thun wirſt!“
Wie Scultetus von jeher ſein prieſterliches Uebergewicht bei dem Kurfürſten geltend zu machen verſtanden hatte, ſo war es auch jetzt geſchehen. Der Strom ſeiner Rede hatte den jugendlichen Fürſten ganz fortgeriſſen; der fanatiſche Schwung verſetzte ihn in eine ſchwindelnde Betäubung. Seine in ruhigeren Augenblicken immer wieder erwachende Bedenken waren in dieſer Aufregung völlig verſchwunden. Ein gleicher Aufſchwung verwirrter Begeiſterung riß auch die Verſammlung hin. Nur daß die Heiligkeit des Ortes den Ausbruch der Gefühle zurückhielt. Als aber das fürſt⸗ liche Paar wieder aus der Kirche trat, brauſte der Jubel— ſturm in vollen Wogen auf. Kaum konnte der Kurfürſt den Wagen wieder beſteigen, kaum den Weg zum Schloß wieder zurücklegen: ſo umdrängte ihn das jauchzende Volk. Wer will ihn verurtheilen, daß er, in ſolchen Strom ge⸗ riſſen, der fortwirbelnden Gewalt deſſelben folgte? Daß er ſich zu den größten Lebenszielen geweiht ſah? Der Ruf: „Siehe, ich habe dir geboten, daß du getroſt und freudig ſeieſt!“ tönte immer neu mit mächtigem Klange in ſeiner Seele wider. So wollte er denn ſein gleich ihm ein würdiger Streiter Gottes, und laut rief es in ihm:„Ich laſſe mich nicht grauen noch entſetzen. Denn der Herr, mein Gott, iſt mit mir und Dem was ich thun werde!“
So erreichte er das Schloß wieder.
Um zwölf Uhr Mittags war das Abſchiedsbanket ver⸗ anſtaltet. Der ganze Hof und die höchſten Staatsdiener,


