Scultetus, an der Spitze der Geiſtlichkeit, ſtand am Eingangsthor, begrüßte das kurfürſtliche Paar und ſprach mit feierlichem Wort, die Hände ſegnend erhoben, zum Kur⸗ fürſten:„Erfülle ſich an meinem allergnädigſten Herrn wie es heißt im fünften Buch Moſe, allda im dreißigſten Capitel, im neunten Verſe:
„«Der Herr dein Gott wird dir Glück geben in allen Werken deiner Hände!» und ferner im ſechzehnten:«Der Herr dein Gott ſegne dich in dem Lande da du einzieheſt, daſſelbe einzunehmen!»“ 3
Und zur Kurfürſtin gewandt ſprach er:„«Der Herr beſchütze Euch wie einen Augapfel im Auge, und beſchirme Euch unter dem Schatten ſeiner Flügel.“— Alſo beten wir nach dem ſiebzehnten Pſalm, für Euch, gnädigſte Fürſtin des Landes.“—
Der Kurfürſt und die Kurfürſtin beugten bei den Worten des Geiſtlichen fromm das Haupt und ſchritten in demüthi⸗ ger Haltung vorwärts in die Kirche.
Tauſende hatten ſich zu der kirchlichen Feier verſammelt. Aller Herzen erhoben ſich im brünſtigen Gebet zu Gott; viele ſchlugen in freudiger Hoffnung, viele aber auch waren mit banger Sorge erfüllt. So einfach und ohne allen äußeren Schmuck der Gottesdienſt, dem ſtrengen Geſetz der Calviniſten entſprechend, auch eingerichtet war, ſo waren doch die Klänge der Orgel noch nicht daraus verbannt, wie in dem unter Calvin's nächſtem Einfluß geordneten Gottes⸗ dienſt in den Kirchen der Schweiz. Der Choral:„Eine feſte Burg iſt unſer Gott“, den die Gemeinde ebenfalls, trotz ihres Abweichens von der Lehre Luther's, doch als einen chriſtlichen Hochgeſang voll echteſter Glaubenskraft und Zuverſicht aufgenommen hatte, machte den Beginn der Feier.


