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Sechzehntes Capitel.
Die ganze Stadt Heidelberg war in feierlicher Be⸗ wegung; die Glocken läuteten von allen Thürmen; die Menge drängte ſich zu der Hauptkirche, wo der Kurfürſt, bevor er Heidelberg verließ, noch einmal ſeine Andacht ver⸗ richten und die göttliche Einſegnung empfangen ſollte für das glanz⸗ und verhängnißvolle Unternehmen, dem er heut von ſeiner getreuen Stadt aus entgegenzog.
Alles, was zum kurfürſtlichen Hofſtaate gehörte, hatte ſich auf dem Schloß verſammelt. Von dort herab ſollte der Zug zur Kirche gehen.
Der Kurfürſt befand ſich noch in ſeinem Gemach; er war ganz allein und ging mit ſchwer bewegter Seele auf und nieder. Wie er ſich ſelbſt zu überreden trachtete, der Schritt, den er jetzt thue, ſei ein unabänderlich nothwendiger, geboten durch die Ehre ſeines Hauſes, und noch höher durch ſeine kirchlichen Pflichten: eine innere Stimme ſagte ihm dennoch, daß weltliche Verlockungen, daß Trachten nach irdiſcher Größe ihn dazu reizten. Daß er nicht, wovon er ſich ſo gern überreden mochte, eine Pflicht erfülle, ſondern einer Begier folge! Die unerbittliche ſagte ihm, daß der Glanz der Königskrone ihn blende, die Glorie weltlicher Macht ihn ſtärker locke als der Heiligenſchein eines Vorkämpfers der Kirche! Und doch vermochte er nicht den Sieg über ſich ſelbſt zu erringen, und das Banner der Wahrheit in ſeinem eigenen Innern aufzupflanzen. Aber den unentrinnbaren Folgen ſolcher Zuſtände entging auch er nicht. Er war nicht freudig, nicht zuverſichtlich, nicht fromm entſchloſſen,


