Teil eines Werkes 
3. Band, 1. Abtheilung (1858)
Entstehung
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ſich in reines Blau und Goldduft auf. Das Gewölk ver⸗ flüchtigte ſich in leichte Windſtreifen nach oben.

Die dunkle Mauer der Bergzüge jenſeit des Rhein ſchloß mit ihrer langen Kette von Kuppeln und Spitzen den Horizont ab. Bis zu ihren Füßen hin glänzten die Ebenen im Abendſchimmer, aus dem die Thurmſpitzen der Dörfer und Städte, ſchattig, dunkel emporragten. Am fernſten Ende der Landſchaft erhob, weit überhinſchauend, der ehrwürdige Dom zu Speier ſeine Doppelthürme, gleichſam ein Wächter, hingeſtellt, die Erde in ſeine himmliſche Obhut zu nehmen.

Die überdrängende Schönheit, der Frieden in der Land⸗ ſchaft füllten die Bruſt mit Andacht, Da tönten aus dem Thal herauf von den Thürmen der Stadt laut die Abend⸗ glocken. Der Anhauch allgegenwärtiger Gnade Gottes und ſeines waltenden Schutzes ſchwebte in den feierlichen Tönen empor, berührte das Herz und durchdrang es noch tiefer mit frommer Erhebung, mit hingegebenem Vertrauen.

Unwillkürlich hemmten die Hinabwandelnden ihren Schritt. Agathe ſank an das Herz des Vaters, Margarethe blickte dahin auf, wo ihre Aeltern weilten. Alle empfanden in dem tiefen Gottesfrieden, der auf der ſchönen Erde ruhte, das Unterpfand: wie auch Verwirrung und Zwieſpalt das irdiſche Daſein zerrütten möge, die himmliſche Verſöhnung iſt jedem fromm vertrauenden Herzen gewiß. Und ſo waren ſie glaubens⸗ und hoffnungsgetroſt!