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„Denn du beteſt doch auch für mich ein wenig? Oder für mich nicht?“.
„Agathe!“ erwiderte Margarethe mit dem Ton bitten⸗ den Vorwurfs.
„Ja, ich höre es deinem Ton an, daß du mich nicht ganz vergiſſeſt“, ſagte ſie freundlich.„Sieh, dafür habe ich auch hier die allerſchönſte Traube für dich geſchnitten! Diamant!“
Und ſie hielt ihr eine wunderſchöne Traube anmuthig am Stengel entgegen.„Ei wie herrlich“, rief Margarethe.
„So lege ſie in das kleine Körbchen! Es iſt bald Vesper⸗ zeit, da müſſen wir etwas für uns ſammeln!“
Margarethe nahm die ſchöne Frucht und dankte mit freundlichen Blicken.——
„Alſo morgen kommt der Herr Rath ſchon zurück?“ fragte ſie, als ſie ihre Beſchäftigung an Agathens Seite wieder begonnen hatte.
„Ja, wie der vorausgeſchickte Leibjäger des Kurfürſten heut beſtellt hat, morgen“, antwortete Agathe, die ſich eben tief in das untere Laub eines Weinſtocks herabbückte, um eine Traube, die ſich dort verſteckt hatte, loszuſchneiden.
„Er kommt ſchon heut“, ſagte plötzlich eine ernſt⸗ freundliche Stimme hinter den beiden Mädchen. Agathe flog empor, warf das Winzermeſſer von ſich und hing mit einem lauten Freudenruf am Halſe des Vaters. Marga⸗ rethe ſtand ganz erſchreckt, aber mit freudeleuchtenden Augen.
Der Rath war, während die Mädchen miteinander plauderten, hinter ihnen, zwiſchen den Weinſtöcken, unbe⸗ merkt die kleinen Steintreppen im Berge heraufgekommen, hatte ihre letzten Worte gehört und überraſchte ſie durch ſeine plötzliche Erſcheinung.
Rellſtab, Drei Jahre. III. 1. 9


