Teil eines Werkes 
3. Band, 1. Abtheilung (1858)
Entstehung
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zitterte doch auch jede das Vorgefühl Opfer fordernder Hin⸗ gebung. Ein großer Sieg wird uns leuchten, doch er wird einen hohen Preis fordern, wir ſind bereit ihn darzu⸗ bringen! Davon war jedes Herz erfüllt in dieſer geweih⸗ ten Stunde.

Die Dämmerung war eingetreten. Die Flamme im Kamin loderte nur noch matt auf. Das Abendroth ver⸗ glomm düſter am Rande des weſtlichen Gebirges. Durch den wolkigen Himmel ſchimmerte nur ein unſicheres Licht. Da plötzlich ergoß es ſich mit ſilbernem Strom in das halbdunkle Gemach. Durch ein leiſe zerfließendes Gewölk brach der Mond, und ſeine Halbſcheibe ſchwebte im reinen Blau. Allen war es wie ein heiliger Friedensgruß von jenſeit, wie eine ſüße Botſchaft des Troſtes: Auch in dem tiefſten Dunkel der Erdennacht verzaget nicht, denn ein Auge wacht über euch, und hier winkt euch eine Stätte des Friedens!

Wunderbar getroffen waren die Herzen, ſelbſt die leicht⸗ ſchlagenden der Jugend, von dieſem ſanften Himmelsgruß in ſo hehrer Stunde. Thekla's Haupt umfloß das Licht des Mondes mit hellem Silberduft. Ihre reinen jungfräulichen Züge ſtrahlten verklärt; ein leiſes Strahlennetz wob ſich durch ihre herabwallenden Locken.

Eliſabeth richtete den mütterlichen Blick auf ſie und be⸗ gegnete dem ihren; der Mondſtrahl ſchimmerte in dem feuch⸗ ten Thränenſpiegel ihres ſchönen Auges. Durch eine innere Gewalt getrieben, ſanken Mutter und Tochter einander an die Bruſt, und ahnende Liebe hob die Schleier von Beider Herzen.

In der Weihe dieſer Minute erhob auch die Liebe des jugendlichen Paares ihre Schwingen mit erhöhter Kraft und zu reinſtem Ziele. Thekla empfand, daß ihr Herz nur ein