Teil eines Werkes 
3. Band, 1. Abtheilung (1858)
Entstehung
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ſich die Knospe einer Neigung gebildet, ihnen ſelbſt noch unbewußt. Benedetto hatte kleine unſchuldige Zeichen ihrer Gunſt empfangen; ein Taſchenbuch, auf das die Gräfin Alphonſine den Anfangsbuchſtaben ſeines Namens mit Gold geſtickt, eine feine venetianiſche Kette mit einem Medaillon, die er einmal wegen ihrer Arbeit bewundert hatte. Er hatte ihr dafür die ſchönſten Sonette Petrarca's, einige Stellen aus Taſſo und Dante mit kunſtreicher Hand, da er ein Meiſter in der Schönſchreibekunſt war, abgeſchrieben und ſie mit ſauber gemalten Initialen und Nandbildchen ver⸗ ſehen. Nichts Sträfliches hatte ſich in dieſe gegenſeitigen Zeichen der Neigung gemiſcht, allein nach der Weiſe jugend⸗ licher Herzen hatten Beide die Weihe der Verſchwiegenheit darüber gebreitet. Jetzt ſollte Benedetto, im unbedingten Gehorſam gegen Lamormain's Beſtimmungen aufgewachſeun, durch die Ordenslehren daran gewöhnt, dieſes zarte Heilig⸗ thum enthüllen! Er bebte davor zurück; auf der andern Seite hielt ihn ſcheue Ehrfurcht in dunklen Banden, und er zitterte, ein Geſetz der Religion oder Deſſen, was man ihn als ſolche gelehrt hatte, zu verletzen.

Sein Erröthen und Erblaſſen ließ Lamormain ver⸗ muthen, daß viel mehr und Bedenklicheres geſchehen ſei. Er vermochte nicht mit ſo reinem Auge ein Verhältniß auf⸗ zufaſſen wie der unſchuldige, in religiöſer Schwärmerei er⸗ zogene Jüngling.

Ich erwarte deine Antwort, Benedetto, begann der Pater wiederum, da der junge Mann ſein Schweigen noch nicht zu brechen vermochte. Er ſagte die Worte aber mit we⸗ niger ſtrengem Tone, um ihn nicht einzuſchüchtern.Sage mir aufrichtig und ganz, denn es iſt deine Pflicht, was iſt zwiſchen dir und der Gräfin vorgegangen?

Zum erſten male trat ein innerſtes, heiliges Gefühl in