Er trat voran in ſein Gemach; Benedetto folgte ihm. Sie waren allein.
Der Pater nahm eine ernſte Miene an, als der junge Menſch, der nicht viel über zwanzig Jahre zählen mochte, vor ihm ſtand.
„Du biſt nicht wahrhaft gegen mich, Benedetto“, redete er ihn an.„Du haſt mir in deinem Berichte nichts von deiner Zuſammenkunft mit der Gräfin Alphonſine geſagt!“
„Ehrwürdigſter Vater!“ rief der Jüngling hocherröthend und beſtürzt.„Ich glaubte— ich...“ er ſtockte.
„Du ſiehſt, Benedetto, ich kenne deine geheimſten Schritte“, fuhr Lamormain mit derſelben Strenge des Blickes fort,„mein Auge iſt unabläſſig wachſam! Dein Verſchweigen zeigt einen Mangel an Vertrauen und eine Verletzung des Gehorſams. Du haſt als Beichtkind gefehlt und zugleich dich gegen die Geſetze des Ordens vergangen!“
„Vergebt mir, ehrwürdigſter Vater“, begann Benedetto; nich glaubte nicht ein Vergehen begangen zu haben!“
„Dein Erröthen ſchuldet dich der Unwahrheit an, Be⸗ nedetto. Biſt du gleich weder Mitglied des Ordens, noch in den geiſtlichen Stand getreten, ſo bereiteſt du dich doch dazu vor, und haſt als Zögling die Geſetze um ſo ſtren⸗ ger zu beachten! Berichte mir jetzt genau, was zwiſchen dir und der Gräfin geſchehen iſt.“
Der Jüngling kämpfte einen ſchweren Kampf. Die Gräfin Alphonſine war die Tochter ſeines Herrn und Beſchützers, des Grafen Khev enhüller. Da das Jtalie⸗ niſche ſeine Mutterſprache war, hatte der Graf ihm den
Unterricht dieſer ſiebzehnjährigen Tochter in dieſer Sprache wie in der ſpaniſchen anvertraut, indem ſie ihn nach Ma⸗ drid begleiten ſollte. In beiden jugendlichen Herzen hatte
Rellſtab, Drei Jahre. III. I. 2


