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Die Kurfürſtin ſchien anderer Meinung. Sie ſah ver⸗ ſtimmt aus, ſchwieg aber.
„Ich glaube, meine Liebe“, wandte ſich Friedrich zu ihr,„der Rath hat uns durch dieſe Erkundigung einen großen Dienſt geleiſtet.“
Die Kurfürſtin ſah zur Erde und ſpielte mit den Gold⸗ franzen an ihrem Oberkleide.
„Sie ſchienen mir wenigſtens ſo wichtig“, bemerkte Ca⸗ merarius,„daß ich alle Mühe und Sorgfalt darauf ver⸗ wandt habe, Ew. kurfürſtlichen Gnaden ſo genaue Auskunft als möglich zu verſchaffen, wie die Meinung in dieſer wich⸗ tigen Sache ſteht. Denn da die Herren Fürſten ſelbſt, oder durch ihre Stellvertreter, hier zu Heidelberg noch ſich be⸗ rathen werden, ſo iſt es gewiß gut, gleich von Anfang an diejenige Meinung feſtzuhalten, die ſich durchführen läßt. Niemand zwar kann wiſſen, was geſchieht, die Umſtände können ſich ändern, und die Geſinnung der Menſchen iſt veränderlich. Allein was hier berathen wird, kann doch erſt in Frankfurt zu feſtem Beſchluß gedeihen!“
„Ich kann mir nicht denken“, ſagte die Kurfürſtin auf⸗ ſtehend,„daß es wohlgethan iſt, Demjenigen zur größten Macht zu verhelfen, der unſer Feind ſein wird und muß. Wir müßten denn Alles aufgeben, was uns Gottes große Gnade faſt von ſelbſt in den Schoos wirft.“ Und mit die⸗ ſen Worten, in denen ſie ihren Unmuth kaum ſo zu be⸗ herrſchen wußte, daß ſie die Thränen zurückhielt, ging ſie ſchnellen Schrittes über den Altan und verſchwand im Schloß.
„Sie iſt zu ehrbegierig“, ſeufzte Friedrich vor ſich hin.
Camerarius ſchwieg ehrerbietig und blätterte in den Papieren, welche er in der Mappe mitgebracht hatte, als achte er nicht auf den Vorfall, ſondern ſei nur mit ſeinen Acten beſchäftigt.


