Teil eines Werkes 
3. Band, 1. Abtheilung (1858)
Entstehung
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dir ſein! Die Freiheit des Gewiſſens, die Reinheit der Andacht beſchirmſt du vielen Hunderttauſenden, die ſeit zwei⸗ hundert Jahren dafür gekämpft und vergeblich danach ge⸗ 4 rungen haben, ſich die ungeſtörte Uebung dieſer heiligen Rechte zu gewinnen. Immer neu ſiegend, aber immer neu wieder unterdrückt durch Argliſt, Misbrauch des Vertrauens und der Gewalt, werden ſie endlich frei athmen und glück⸗ lich ſein durch dich! Du wirſt der Hort der Kirche ſein, die du bekennſt, und es wird erfüllt werden, was Scul⸗ 3 tetus ſagte mit Bezug auf dich:«Heil Denen, die die ewige Krone erwerben können durch eine glanzvolle irdiſche! Sie hat Gottes Gnade auserwählt und reichen Segen über ſie geſchüttet!5 Der Kurfürſt ſtaunte über den Strom ihrer Rede. Nie hatte er ſeine junge Gemahlin, die ſich ſtets mit heitern Lebensangelegenheiten beſchäftigte und die ernſten gern ver⸗ mied, in einem ſolchen Feuer geſehen. Im erſten Augen⸗ blick hinderte ihn die Ueberraſchung, zu erkennen, daß dieſer Aufſchwung kein ſo ganz unvorbereiteter war, ſondern daß Scultetus ſeinen geiſtlichen Einfluß ſehr ſtark ausgeübt hatte, um der Kurfürſtin dieſe Gedanken, die freilich ihrem Sinn und Worten ganz entſprachen, in ſo geläufige Form zu bringen. * Da trat die verwitwete Kurfürſtin Luiſe Juliane, Friedrich's Mutter, aus der Schloßkirche, wo ſie eben ihr Gebet verrichtet hatte, auf den Altan. Laß es gut ſein, Eliſabeth, ſagte daher der Kurfürſt raſch und etwas betreten;dort kommt meine Mutter; du 1 weißt, ſie iſt anderer Anſicht und voller Sorge über dieſe Sache. O ich weiß, ich weiß, antwortete Eliſabeth, und ihre Züge drückten eine Miſchung von Bitterkeit und Spott aus.