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„Herr Graf“, begann dieſer aufs neue,„erlaubt mir meine Gedanken voll herauszuſagen.“
Thurn nickte.
„Nur der Erbfeind der ganzen Chriſtenheit, der Türke, hat vor Wien geſtanden, gleich uns, und mit zehnfach größe⸗ rer Heeresmacht als wir. Dennoch gelang es ihm nicht, die Stadt zu zwingen; der allmächtige Gott beſchirmte ſie, er mußte abziehen!— Sollen wir vollführen, was Gottes Hand den Heiden verwehrte?— Seine Hand wird auch wider uns ſein!“
Thurn ging unruhig auf und nieder; er wußte nicht das Rechte zu antworten. Der fromme Wolodna ſtand mit ernſtem, ruhigem Blick vor ihm.
„So gebiete den Wienern, daß ſie uns ihre Thore friedlich öffnen!“ ſagte Thurn endlich aufwallend, und ſuchte in dem äußern Zürnen den Verdruß und das in⸗ nere Gefühl zu bergen, daß Wolodna doch zum Theil Recht habe.
„Ich meine nur, Herr Graf“, entgegnete dieſer,„wir ſollten ſie dazu auffordern! Iſt die Stadt ſo ſchwach zur Vertheidigung, daß ſie ſich nicht halten kann, ſo wird man uns lieber auf gütliche Bedingung einlaſſen als unter den Gräueln von Brand und Plünderung. Iſt ſie es nicht, ſo....
„Nun? Heraus mit dem Wort!“
„So könnte der Sturm uns ſchwere Opfer koſten und doch vielleicht fehlſchlagen!“—
„Du hätteſt im Kriegsrath mitſitzen ſollen!“ erwi⸗ derte Thurn.
„Ich gehöre nicht in den Kriegsrath“, ſprach der Alte beſcheiden,„aber ich ſpreche aus dem wahrhaften Rath mei⸗ nes Herzens.“


