Teil eines Werkes 
2. Band, 2. Abtheilung (1858)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

187

Wolodna, ſprach Thurn ernſt, war es denn unſre Wahl?

Darf ich ganz freimüthig antworten, Herr Graf? 3 fragte Wolodna.

Alles, was du denkſt, Alter, erwiderte Thurn;ſage es grad heraus, ich errathe es ſchon halb!

Nun denn, begann Wolodna zögernd,ich verwahrte mich, gnädigſter Herr Graf, als ich mich zu Euren Dienſten verpflichtete, daß ich nichts gegen des Königs und Kaiſers Majeſtät unternehmen wollte, und Ihr ſagtet mir's zu. Und jetzt bedrängen wir ihn bis in ſeine eigene Hofburg!

Kannſt du Frieden machen mit König Ferdinand, Wolodna? fragte Thurn und legte die Hand auf ſeine Schulter;es wäre mir hoch willkommen!

Wir hätten es doch verſuchen ſollen, meine ich, ant⸗ wortete er treuherzig.

Und haben wir es nicht verſucht? Hat er unterzeich⸗ net, was die evangeliſchen Stände ihm vorlegten? That er das, ſo war der Friede da, wir zogen heim, und genoſſen ſeiner Früchte, der Sicherheit des Glaubens, der Sicherheit in Recht und Eigenthum. Und er wollte unterzeichnen, da er ſich machtlos ſah. Allein ſowie ihm Hülfe kam, verwarf er Alles und jagte Die aus der Stadt, mit denen er Verträge ſchließen ſollte. Können wir ihm vertrauen? Wenn er heut Alles beſiegelte und verbriefte, was wir verlangen, dürften wir ſicher ſein, daß er es uns ein einzi⸗

ges Jahr unangefochten ließe? Sowie er die Gewalt hat, zertrümmert er das Recht.

Thurn gerieth wieder in den Eifer, zu dem ihn ſtets

ſeine eigene Rede hinriß. Er verſuchte in Wolodna die

Einwürfe ſeines eignen Bewußtſeins zu widerlegen.

doch ohne Vorwurf,