Teil eines Werkes 
2. Band, 2. Abtheilung (1858)
Entstehung
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Das größte Getümmel fand auf dem Stephansplatze ſtatt, theils weil dort die erſten Granaten gefallen waren, theils weil er überhaupt als der natürlichſte Sammelplatz der von allen Richtungen herbeiſtrömenden Bedrängten er⸗ ſchien. Zwar hatten die erſten vier, fünf Granaten dieſen Theil der Stadt getroffen, doch es ſchien zufällig geweſen zu ſein, da im Verfolg keine Geſchoſſe mehr dahin fielen. Eine große Menge ſuchte auch in der Kirche Schutz, theils weil man dem mächtigen Gewölbe vertraute, theils weil, wie immer der Menſch in der Noth ſich der göttlichen Gnade lebendiger erinnert, ein religiöſes Gefühl die Er⸗ ſchreckten dahin trieb.

Reubner und Tharradel, die eben aus einer Ver⸗ ſammlung ihrer vertrauteſten Freunde kamen, ſchritten ge⸗ rade auf den Platz zu, als die erſten Granaten fielen. Es war erſtaunlich wie ſchnell eine Volksmenge, die in Angſt und Haſt durcheinander wirbelte, faſt aus der Erde wuchs.

„Seht doch, Herr von Ebergaſſing“, rief Reubner luſtig,„wie der brummende Kater die Mäuſe aus den Lö⸗ chern jagt! Nur drei Granaten ſind hier heruntergeſchla⸗ gen und das Geſindel iſt ſchon zu Hunderten lebendig, als hätten ſie alle hier auf dem Pflaſter gelagert und wären nur vom Schlaf aufgeſprungen!“

„Der Schreck hat ſie allerdings ſchnell munter gemacht“, ſtimmte Tharradel bei.

„Es iſt doch eine Schande“, zürnte Reubner,„obgleich es in unſern Zweck paßt! Wenn Thurn dieſe Haſenhetze ſehen könnte, ich glaube er ginge im dreiſten Ueberfall der Stadt gerade auf den Leib und käme auch hinein!“

„Ich zweifle doch“, antwortete Tharradel.„An den Wällen findet er andere Leute und dieſe hier werden ſich auch beſinnen. Es iſt nur die erſte Aufregung und gerade

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