Teil eines Werkes 
2. Band, 2. Abtheilung (1858)
Entstehung
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tragen würden. In Beidem hatten ſie ſich getäuſcht. Nun⸗ mehr machten ſie allem Anſchein nach Ernſt; wenigſtens wollten ſie zeigen, was ihre Artillerie vermöchte und wel⸗ ches Schickſal ſie der Stadt Wien bereiten könnten!

Die Granaten zogen ihre feurigen Bogen durch die Lüfte und fielen krachend auf die Dächer und auf das Straßenpflaſter nieder, wo ſie zwiſchen den hohen Häuſern, in den engen krummen Straßen, mit fürchterlichem Getöſe und zerſtörender Wirkung zerplatzten. Das Volk lief be⸗ ſtürzt und rathlos, wie immer die Maſſen, gerade dahin, wo es am meiſten zu fürchten hatte. Statt ſich ruhig in den Häuſern zu halten, waren die Leute hinausgeſtürzt und eilten den Orten zu, wo die Brandgeſchoſſe niederge⸗ ſchlagen und crepirt waren. Allerdings war die Neugier, die ſich ſelbſt durch die Gefahr nicht abhalten läßt, ihr ſtärkſter Grund dazu.

Das Feuern wurde lebhaft fortgeſetzt. Einige Dächer geriethen in Brand; was Hände zu regen hatte, half beim Löſchen, ſodaß die Flamme nicht weit um ſich griff. Doch war die ganze nächtliche Scene in der Stadt von ſchauer⸗ licher Wirkung. Sie bildete den Anfang des kriegeriſchen Zuſtandes, und da noch Niemand wiſſen konnte, wie weit ſich die Zerſtörung erſtrecken werde, vergrößerte die Furcht vor Dem, was noch kommen ſollte, Das, was im Augen⸗ blick geſchah. Eine Menge von Menſchen war in Bewe⸗ gung. Einige, deren Häuſer beſchädigt waren, ſtürzten in blinder Flucht mit ihren Familien hinaus, ohne zu wiſſen oder zu überlegen, wo ſie größere Sicherheit gegen die Ge⸗ fahr finden könnten. Frauen und Kinder jammerten; die Männer ſchleppten ihre Habſeligkeiten auf dem Rücken und eilten in blinder Haſt vorwärts. Schrecken und Verwir⸗ rung herrſchte überall.