—
29
„Was wird aber nun werden?“ fragte Schmerl. „Wurde denn gleich etwas beſchloſſen?“
„Mit nichten“, erwiderte der Stallmeiſter bedenklich. „Die Herren hatten keine Macht zum Beſchließen; ſie waren nur gekommen, um Vorſtellungen zu machen und zu bitten. Graf Thurn ſprach noch mit mannhaftem Muth*):«Und wenn euch Hülfe aus Ungarn, ja aus Oſtindien kommt, ich frage nichts danach. Ich habe mich Gott ergeben und ihn gebeten mich in meinem chriſtlichen Vorhaben zu ſtärken und mir Beiſtand zu leiſten. Wo ich kein Kriegsvolk und keine Beſatzung finde, da wird Niemandem ein Haar ge⸗ krümmt werden. Seht nun zu, ihr Herren, was ihr zu thun habt. Dies iſt mein letztes Wort, und damit Gott befohlen!»“
So ſchloß er, lüftete abermals den Hut, grüßte ritter⸗ lich und wandte ſich zu ſeinen Offizieren, mit denen er ins Zelt zurücktrat.
„Und? Nun?“ fragten Einige, und auf den Geſichtern Aller ſchwebten dieſelben Fragen.
„Die Deputation ſah ein, daß ihr Geſchäft zu Ende ſei; Graf Puchheim wandte ſich um, die andern Herren folgten und wir gingen des Weges zurück, den wir gekommen waren.“
„So?“ fragten die Zuhörer theils laut, theils innerlich und ſaßen mit langen Geſichtern da.
„Unterweges wurde dann viel geſprochen“, ſetzte der Stallmeiſter noch hinzu,„und da zeigte ſich's, daß unſere Lage doch ſehr bedenklich iſt, denn die Bedingungen, die Thurn geſtellt, wollte ſich Keiner beim Könige Ferdinand auszuwirken getrauen.“
*) Hiſtoriſch.


