Teil eines Werkes 
2. Band, 2. Abtheilung (1858)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

28

rückgehalten und gab ſie nun mit ganzem Nachdruck der Stimme. Was er gewollt, gelang ihm; er brachte einen gewaltigen Eindruck hervor. Ein Ruf des Schreckens er⸗ tönte von allen Seiten. Schmerl ſchnellte von ſeinem Sitz empor und ſchlug die Hände über dem Kopf zuſammen, Haidvogl ſprang gleichfalls auf. Alle Geſichter waren ſo ſchreckenbleich, als ob ſchon die Dächer der ganzen Stadt in Flammen ſtünden.

Was iſt nun zu thun! rief Schmerl kläglich aus.

Wir ſind verlorene Leute, wenn er Wort hält!

Geduld! Ruhe! gebot der Stallmeiſter mit ſtarker Stimme.Laßt mich doch zu Ende reden!

Die Ruhe wurde hergeſtellt; in ängſtlicher Stille lauſchten die Verſammelten dem weitern Verlauf des Berichts.

So ermahnte denn der Graf die Herren, baldigſt ſich zu guten Friedensbedingungen zu fügen. Mit Worten werde aber nichts gethan. Worte hätte man ſeit hundert Jahren genug gehabt in Böhmen. Es müßte Bürgſchaft gegeben werden, daß ein Theil habe, was der andere auch habe!

Freilich, freilich, nichts iſt billiger, rief Schmerl mit wahrhaftem Zorn, daß die Sache noch nicht ausge führt ſei.

Der Landesfürſt, fuhr der Stallmeiſter fort,müſſe künftig mit beſſerer Vertretung regieren. Kein Cleſel oder Jeſuit dürfe wiederkommen und Verwirrung anrichten!

Nein, bei Leibe kein Cleſel, lärmte Schmerl.

Und kein Jeſuit! bekräftigte Haidvogl.

Das geht auf den Pater Lamormain, flüſterte Spingler ſeinem Nachbar ins Ohr.

St! erwiderte dieſer, ein ältlicher Mann.Die Wände haben Ohren! Und wer weiß mit wem wir hier zuſammenſitzen!