17
tete Hubert gereizt;„ich gehe ſchon über die dreißig Jahre hier hinauf und hinunter und noch habe ich kein Bein und auch den Hals nicht gebrochen.“
„Aber Die, denen Ihr leuchten ſolltet, Gevatter! He?“
„An manchem Hals wäre ſo viel nicht verloren“, brummte der Pförtner,„doch hat dieſe Treppe ihn noch Niemandem gekoſtet. Und ich habe ſo Manchem im Herab⸗ ſteigen von der Türkenbelagerung erzählt. Aufwärts geht's freilich nicht, da koſtet es zu viel Lunge!“
„So erzählt nur meinethalben auch noch weiter“, ſprach Reubner lachend;„wollt Ihr Eure Lunge daran ſetzen, Gevatter, ſo iſt's billig, daß ich den Hals oder wenigſtens ein Bein daran wage!“
„Ihr braucht nichts zu wagen“, antwortete Hubert, „beſonders hier, wo es eben fortgeht. Allein, mein wer⸗ ther Herr“, ſprach er zu Tharradel,„ich muß hier wieder etwas vorangehen, ſonſt findet Ihr den Weg nicht.“ Er nahm den Vortritt, fing aber wie ein aufgezogenes Uhrwerk wieder zu ſchwatzen an.„Von dem Ausfall mit achttau⸗ ſend Lanzenknechten, der am 7. Octobris ſtattfand*) und den mein Großvater ſelbſt vom Thurm mit angeſehen....“
„Mit angeſehen“, murmelte Reubner für ſich.„Weiß der Teufel was die Kerle Alles tapfer von Weitem mit an⸗ geſehen haben“, brummte er in den Bart, während Hu⸗ bert, deſſen Redſeligkeit, ſobald er einmal auf das Thema der Belagerung durch die Türken gekommen war, ſich nicht ſo leicht dämpfen ließ, fortfuhr:„Er nahm ein ſchmähliches Ende, der Ausfall; durch Verrätherei, und bei einem Haar wären die Muſelmänner mitſammt unſern Fliehenden zugleich durchs Thor in Wien hineingeſtürzt. Am Kärntnerthor
*) Hiſtoriſch.
———


