Teil eines Werkes 
2. Band, 2. Abtheilung (1858)
Entstehung
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Vater haben es mir unzählige mal erzählt, ſtanden ſie rings um die Stadt. Dreihundert ſchwere Stücke hatten ſie bei ſich und warfen glühende Brandkugeln nach Wien hinein. Minen hatten ſie gegraben bis unter die Wälle, und wenn ſie eine aufſprengten, fiel ein Stück Futtermauer in den Graben, ſo breit, daß funfzig Mann in einer Linie durch⸗ marſchiren konnten! 8

Warum nicht fünfhundert? warf Reubner ſpöt⸗ tiſch hin.

Ihr ſpöttelt, Gevatter, weil Ihr's nicht beſſer wißt! antwortete Hubert empfindlich.Ich ſage Euch, ſo war es; mein Großvater hat manchen Ausfall und Sturm ſelbſt von hier oben mit angeſehen. Am 26. September 1528, aufs Haar in demſelben Augenblick, wo mein Herr Vater ſeliger geboren wurde, war der Sultan Soliman vor Wien ge⸗ rückt. Am andern Tage ſchon gab es eine Waſſerſchlacht*) auf der Donau, denn die Türken hatten eine Menge Schiffe mit von Ofen herübergebracht; ſie griffen damit die Donau⸗ brücke und die kaiſerlichen Schiffe an und Alles ging in Flammen auf. Das hat mein Großvater mit angeſehen!

Mag er doch ins Teufels Namen, fuhr Reubner, dem die Geduld ausging, heraus.Ich wollte das Feuer leuchtete uns hier auf der finſtern Treppe, denn über Eurem Geſchwätz, Gevatter, haltet Ihr die Laterne ganz ſchief. Ich wundere mich nur, daß ſie noch nicht ausgegangen iſt! Wir können ja keinen Schritt vor uns ſehen auf dieſen ver⸗ maledeiten, ausgetretenen Treppen. Jeden Augenblick muß man fürchten, den Hals oder doch ein Bein zu brechen!

Ich werde ſchon auf die Laterne achten, Gevatter, Ihr braucht um Euer Bein nicht bang zu ſein, antwor⸗

*) Hiſtoriſch.