Teil eines Werkes 
2. Band, 2. Abtheilung (1858)
Entstehung
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Gen Oſten zu dämmerte hinter den bläulichen Vorbergen der Karpaten das Morgenroth empor, während gegenüber ſoeben der Mond hinter den Berghöhen ſüdlich der Donau, die ſich vom Kahlenberge nach Steiermark ziehen, verſank. Schauerliche Stille lagerte ſich über den weiten, dämmernden Raum der Landſchaft; nur auf dem Thurm ſelbſt wurde ſie einförmig unterbrochen durch das hohle Geräuſch des Windes, der um die Spitze ſauſte, und durch das Schwirren und Krächzen der aufgeregten, ſcheu ihre Neſter umflattern⸗ den Raben.

Nicht mit verächtlicher Macht iſt Thurn gegen Wien herangezogen, ſprach Tharradel,was meinſt du, Reub⸗ ner! Das Gerücht ſpricht von ſechzehntauſend Mann!

Wer ſollte das zählen von hier aus! antwortete der Kriegsmann.Aber nach dem Raum, den die Zelte be⸗ decken von der Landſtraß⸗Vorſtadt an bis zum Schotten⸗Burg⸗ und Kärntnerthor glaube ich reichen zwanzigtauſend und mehr nicht aus!

Selbſt damit wird er Wien ſchwerlich nehmen können, ſagte Tharradel..

Wenn er in der Stadt nicht faſt mehr Freunde als Feinde zählte, warf Reubner hin.Sonſt müßten ſie freilich feige Schufte ſein, die Kriegsmannſchaft und die Bürger! Hat doch vor hundert Jahren der Türke mit zweimalhunderttauſend Mann abziehen müſſen!

Ei, ei, Gevatter, Gevatter, fiel Hubert ihm ins Wort, der jetzt ſein Mundtuch gelüftet hatte und Anſtalt machte, das für das Steigen dienliche Gebot zu ſchwei⸗ gen nicht ferner ſonderlich zu achten.Das wißt Ihr nicht richtig. Vor neunzig Jahren, oder vielmehr im Sep⸗ tember werden es einundneunzig, da ſtand der Türke vor Wien. Anno domini Eintauſend fünfhundert und achtundzwanzig.