Sie ſtanden an der Kirche. Hubert ſchloß eine kleine Pforte auf. Sie traten ein.
Der mächtige Raum des Schiffs, ſchon bei hellem Tage von einem ehrwürdigen Halbdunkel erfüllt, machte jetzt bei kaum grauendem Morgen einen großartig ſchauerlichen Ein⸗ druck. Nur in den Hauptlinien ließen ſich die Umriſſe er⸗ kennen. Von den rieſenhaften Pfeilern waren nur die näch⸗ ſten deutlich ſichtbar; die entfernten verloren ſich im tiefen Dunkel. Durch die hohen Bogenfeſter blickte ein dämmern⸗ der Schimmer; bei denen, welche völlig durch Glasmalerei bedeckt waren, von einem matten Farbenſpiel überhaucht, das wie von dunklem Flor überhüllt war. Bei den an⸗ dern Fenſtern war es nur ein fahlgrauer, dem Wolken⸗ himmel draußen gleichender, bleicher Schein, der in das tiefe Dunkel der Kirche fiel. Seltſam ſtach dagegen die grelle, flackernde Beleuchtung der nächſten Gegenſtände durch die Laterne ab.
„Hier zur Linken“, wies Hubert zurecht;„wir müſſen dort nach dem Thurm hinüber.“
Die Schritte der leiſe Wandelnden hallten ſchauerlich in dem weiten Raum wider, der von Grabesdunkel erfüllt ſchien.
Sie gingen durch das hohe Mittelſchiff hin, deſſen Wöl⸗ bung nach oben nicht abzuſehen war bei dem ſchwachen Schimmer der Laterne. Nur der Fuß der einzelnen Pfeiler wurde ſchärfer ſichtbar; der in Finſterniß und Schlagſchatten gehüllte obere Theil ſchnitt ſie gewiſſermaßen ab, daß ſie wie gewaltige Trümmer erſchienen. An der Stelle, wo die beiden Schiffe ſich kreuzen, ſtand Reubner ſtill. Die dü⸗ ſtern Gemälde daſelbſt hatten ſtets einen mächtigen Eindruck auf ihn gemacht. Er verſuchte ihn zu erneuern, doch das Licht der Laterne war zu ſchwach, um irgend etwas auf den


