Teil eines Werkes 
2. Band, 2. Abtheilung (1858)
Entstehung
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geſchärften Befehl, Niemand mehr hinauf zu laſſen. Es ſei eitel Neugier der wiener Bürger und führe nur zu Un⸗ heil. Sie ſchwatzten von Hunderttauſenden, die draußen la⸗ gerten, und es ſei doch nur eine Handvoll Leute, die bis längſtens übermorgen mit blutigen Köpfen davongeſchickt ſein würden, wenn ſie nicht baldigſt von ſelbſt abzögen. Meint man das? fragte Tharradel gedehnt.

Ich ſage was der Bote ſagte, antwortete der Pfört⸗ ner, öffnete aber immer die Thür noch nicht weiter.

Nun, Gevatter Hubert, mit kurzem Wort ſollen wir hinauf? fragte Reubner etwas ungeduldig.

Ich weiß beim heiligen Stephan nicht, ob,.... mur⸗ melte der Pförtner im unſchlüſſigen Ton.

Reubner ſtieß ſeinen Begleiter an und ſagte leiſe:Ich kenne ihn; er will ſich die Hand zuvor drücken laſſen. Seht es auf einen Gulden nicht an, Herr von Tharradel. Euer Schlüſſel hier(er ſchlug dabei auf ſeine eigene Taſche) wird die Thürpforte ſchon öffnen.

Tharradel zog den Beutel aus dem Gürtel, nahm ei⸗ nige ſchwere Silberſtücke heraus und drückte ſie dem Pfört⸗ ner, der dazu die Thür ganz bereitwillig ziemlich weit öff⸗ nete, in die Hand.Ihr werdet große Mühe haben, die hohen Stiegen hinaufzuklettern, Alter; es iſt billig, daß ich Euch dafür entſchädige. Und können wir ein halbes Stünd⸗ chen oben bleiben, bis es ſo weit dämmert, daß wir die Umgegend unterſcheiden, ſo ſollt Ihr zufrieden ſein.

Im Namen der heiligen Jungfrau denn, verſetzte der Alte;ich will nur meine Laterne holen, denn im Thurm iſt es noch pechfinſter.

Er ſchloß die Thür wiederum hinter ſich, trat aber nach kurzer Friſt heraus, in einen Mantel gehüllt, eine