Teil eines Werkes 
2. Band, 1. Abtheilung (1858)
Entstehung
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forderte noch andere Vorkehrungen. Der Burggraf hatte

daher, ſo innigen Antheil er an dem Schickſal der ihm zur

Obhut anbefohlenen Frauen nahm, in den nächſten Stunden nicht Zeit, ſich mit ihnen zu beſchäftigen. Gegen den Nach⸗ mittag trafen einige eilende Boten ein, die er auf die ver⸗ ſchiedenen Hauptſtraßen, welche den feindlichen Stellungen näher führten, ausgeſandt hatte. Sie brachten die vorläufig beruhigende Kundſchaft mit, daß auf die Weite eines Tage⸗ marſches noch keine Spur feindlicher Bewegungen zu bemer⸗ ken geweſen war; auch Nachrichten von ferneren Punkten her lauteten beruhigend. So war denn die Burg und ihre Verbindung mit dem nur ſechs Stunden entfernten Prag für den Augenblick noch nicht gefährdet. Der Burggraf beeilte ſich jetzt, dies den Frauen mitzutheilen.

Er fand indeſſen die Gräfin ſchon zur Abreiſe bereit. Sie hatte Alles einrichten laſſen, um ſich noch denſelben Abend während der mondhellen Nacht nach Prag zu be⸗ geben. Auf des Burggrafen beruhigende Nachricht beſchloß ſie jedoch, den andern Morgen abzuwarten, dann aber früh aufzubrechen. Loß verſprach ihr das Geleit durch einen Theil ſeiner Mannſchaften, das in dieſen unruhigen Zeiten ſtets zur vollen Sicherheit auf weiten Wegen nöthig war.

Der Abend verſtrich den Frauen unter den ferneren noch ſorgfältigeren Vorbereitungen zur Reiſe. Thereſe war faſt ununterbrochen ſchweigſam; doch erſchien ſie, der Ent⸗ ſchloſſenheit ihres Sinnes entſprechend, völlig gefaßt. Nur als ſie ſich zur Ruhe in ihr Zimmer begab und der Gräfin Gute Nacht ſagte, war ſie äußerſt bewegt und brach in Thränen aus. Sie hing in faſt unauflöslicher Umarmung Thekla's und drückte ihre Lippen mit Inbrunſt auf die Hand der Gräfin. Beide ſuchten ſie zu tröſten und die Beſorgniß, der ſie ihre Thränen zuſchrieben, zu mildern; es wurde ihnen