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und die Andern, die ſich in einiger Entfernung hielten— „die Burg genau unterſuchen, um zu beſtimmen, was noch irgend zu ihrer Sicherheit geſchehen muß.“
Er grüßte und ging.——
„Thereſe! Meine theure Thereſe“, redete die Gräfin dieſe mit der innigſten Theilnahme an;„Gott wird über kaver's Haupt gewacht haben!“
„Wie über uns Allen, ich weiß es und vertraue“, ſagte Thereſe, die ihre Faſſung wiedergewonnen, ſanft aber feſt.„Und ich weiß, was mir obliegt“, ſetzte ſie hinzu.
Weder Eliſabeth noch Thekla gaben, durch das einge⸗ tretene Ereigniß zu aufgeregt, dieſen Worten eine beſtimmte Deutung.
Alle Drei gingen in ſtummer Erwägung des Geſchehenen und zunächſt Künftigen in das Gemach.
Abermals hatte ſich ein Aufenthalt tiefer Zurückgezogen⸗ heit und Stille für die drei Frauen in einen der ſorgen⸗ vollſten Unruhe verwandelt. Das rauhe Stürmen der Zeit drang in die einſamſte Zelle und verſcheuchte den Frieden daraus!——
Der Burggraf beſichtigte indeſſen die Veſte in ihrem ganzen Umkreis. Wie ſorgfältig darin die Ordnung über⸗ wacht war: der Augenblick, wo das lange Vorbereitete zum Gebrauch kommen ſoll, zeigt immer Lücken, fordert Nachhülfe. Das war auch hier der Fall. Manche Schieß⸗ ſcharten mußten ſorgfältiger hergeſtellt, manche ſchadhafte Stellen in Wall und Mauern ausgebeſſert, manche Paliſ⸗ ſade erneuert werden. Bald ſah man die Beſatzung des Schloſſes auf verſchiedenen Punkten mit Arbeiten dieſer Art beſchäftigt, und Zimmerleute und Maurer wurden gleichfalls in Thätigkeit geſetzt. Die Möglichkeit eines nahen Angriffs
Rellſtab, Drei Jahre. II. 1. 9


