Teil eines Werkes 
2. Band, 1. Abtheilung (1858)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

195

ſchwerer als jemals. Endlich riß ſich Thereſe nach heftigem Kampf in ihrer Bruſt los und ging in ihr Schlafgemach.

Das Licht des Morgens wird ihr Muth und Hoffnung wiedergeben ſagte Thekla mitleidig zu ihrer Mutter.

Auch ſie Beide begaben ſich zur Ruhe.

Der Morgen erſchien, ſo ſchön, ſo roſig, als nur ein Junimorgen anbrechen kann. Thekla erhob ſich am früheſten. Als auch ihre Mutter bald darauf das Lager verlaſſen hatte, waren Beide befremdet darüber, daß Thereſe noch nicht er⸗ ſchien, die ihrer ſonſtigen Gewohnheit nach ſtets die Erſte im Frühſtückszimmer war.

Angſt und Kummer wird ihr eine ſchlafloſe Nacht be⸗ reitet haben, erwiderte Thekla,und der Erſchöpfung iſt jetzt doppelte Müdigkeit gefolgt.

Ich würde ihr gern den ſtärkenden Morgenſchlummer laſſen, antwortete die Gräfin,allein die Zeit zur Abfahrt drängt!.

Der Reiſewagen ſtand bereits beſpannt im Burghofe und die Diener der Gräfin waren mit dem Einpacken eifrig beſchäftigt.

So will ich ſelbſt ſie wecken, erbot ſich Thekla und ging hinüber.

Nach einigen Minuten kehrte ſie zurück, bleich, zitternd.

Was haſt du? rief die Gräfin ſie an.Iſt Thereſen ein Unglück begegnet? Iſt ſie krank?

Ihr Gemach iſt leer, ihr Bett unberührt; dieſes Blatt lag auf ihrem Gebetpulte, antwortete Thekla kaum hörbar, und reichte der Mutter das Blatt hinüber.

Es enthielt nur die Worte:Ich weiß, was mir ob⸗ liegt. Lebt wohl! Lebt wohl!