„Das des frommen Patriarchen Nechodom“, ergänzte Thekla ſie mit ſanfter Theilnahme.
„Des Märtyrers“, bejahte Thereſe.
„Es muß ein hoher, herrlicher Mann geweſen ſein! So milde, ſo weiſe, wie ich mir die Heiligen denke! Mit welcher klaren Lehre hat er dich erfüllt, daß ich oft beſchämt bin, Thereſe, neben dir!“
„Sein Blut düngte die erſte Saat— die Felder werden noch Ströme Blutes trinken, bevor die goldene Ernte reif iſt für die Schnitter“, ſprach Thereſe, und ihre Züge ver⸗ klärten ſich zu dunkel erhobenem Ausdruck. Edel aufgerichtet, blickte ſie mit feucht ſchimmerndem Auge hinüber in jene erinnerungsvolle Ferne.
Alle Drei ſchwiegen. Sie ſtanden jetzt auf dem äußerſten Rand des Burgfelſens, wo ſich hinter den ſteil herabge⸗ ſenkten Mauern die Ausſicht in das tief eingeſchnittene grüne Thal nach Beraun zu öffnete, an deſſen Ende der ſilberne Spiegel des Fluſſes die Windungen des Gebirges abſchnitt. Hufſchlag von Pferden, der am jenſeitigen Ende der Burg auf der Zugbrücke und unter dem Burgthor er⸗ tönte, unterbrach unvermuthet die tiefe Stille.
„Es iſt der Burggraf, der von Prag zurückkehrt“, ſagte die Gräfin.„Er wird uns vielleicht noch neuere Nachrich⸗ ten bringen.“
„Otto von Loß, der Unterburggraf zu Karlsſtein, war, da er auch zu den Directoren gehörte, zumeiſt in Prag. Er hatte die letzten Tage dort zugebracht und kehrte ſoeben von daher zurück. Da er gewöhnlich der Bringer von Botſchaften aus der Hauptſtadt war, welche die Ein⸗ ſamkeit der Burg belebten, ſo war ſeine Ankunft ſtets ein erwartungsvolles, meiſt Freude bringendes Ereigniß. Die


