Teil eines Werkes 
2. Band, 1. Abtheilung (1858)
Entstehung
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O nein! Mein Herz ſchlug vom erſten Augenblick dieſer verworrenen Zeit an nur beſorglich, entgegnete die Gräfin.Thereſe iſt viel ſtärker, viel entſchloſſener als ich, als wir Beide. Sie ſchilt nicht!

Sie iſt muthiger als wir, und doch noch beſorgter als du, antwortete Thekla.Ich verehre ihre edle, hohe Kraft, allein mich dünkt, ſie beſitzt ſie nur um das Schwere, das ſie fürchtet, entſchloſſen zu tragen, nicht um das Große, das wir hoffen ſollen, frendig zu ergreifen und zu genießen! Sie fürchtet immer!

Es iſt einmal ſo im Gemüth des Menſchen, entgeg⸗ nete die Gräfin,von dem Unheilvollen hat es faſt immer das dunkle Vorgefühl!

Sollen denn nur die Schatten finſtrer Geſpenſter in unſere Seele fallen, dürften wir die guten Lichtengel, die uns umſchweben, nicht wahrnehmen? ſagte Thekla zweifelnd, und bewegte leiſe den ſchönen Kopf.

Thereſe, die in das Haus getreten war, öffnete die Thür des Gemachs.

Wir haben ſoeben die glücklichſten Nachrichten von dem Vater erhalten, Thereſe, empfing Thekla ſie froh. Der Sieg krönt ſeine Waffen überall. Er iſt jetzt vor Wien ſelbſt gerückt, und hat ſein Lager hart an der Donau aufgeſchlagen!

Thereſe hörte die Botſchaft mit ernſtem Staunen.Mö⸗ gen ihm die Mauern der Kaiſerſtadt nicht zu hoch, nicht zu ſtark ſein! ſagte ſie mit einem ſchwermüthigen Blick ihres dunklen Auges.

Mögen die Mauern Wiens auch hoch und ſtark ſein,

Thereſe, nahm Thekla das Wort,ſie ſchließen edle Frreeunde ein, die dem Vater hülfreiche Hand reichen werden.