25
„Nur ein zu guter!“ flüſterte dieſer.„Er hat ſich zu⸗ weilen das Vergnügen gemacht, Schieferdecker von den höch⸗ ſten Thurmſpitzen herunterzuſchießen!“*)
„Der Herr ſei uns gnädig!“ rief Scultetus, der dieſe Worte hörte.
„Still, er nähert ſich!“ winkte Camerarius.
„Was Teufel! Steklenberg!“ rief der Herzog plötzlich, als er dieſes alten Bekannten anſichtig wurde.„Ich freue mich, Euch wiederzuſehen! Wahrhaftig ſeit der blanken⸗ burger Jagd habe ich nichts von Euch gehört! Wie geht's Euch?“
Steklenberg verbeugte ſich und dankte.
„Wer iſt denn das ſchwarze Geſpenſt“, fragte der Herzog ihn leiſe und deutete auf Scultetus.
„Der Oberhofprediger Abraham Scultetus“, antwor⸗ tete Steklenberg ebenſo leiſe;„ein großer Eiferer für Calvin und zugleich ein großer Günſtling Sr. kurfürſtlichen Gnaden!“
„Meiner wird er nicht“, murmelte der Herzog.
Die Kurfürſtin Eliſabeth hatte indeſſen mit einigen Da⸗ men vom Hofe geſprochen, deren jetzt gleichfalls mehrere auf die Terraſſe gekommen waren, und die ſich ihr näher⸗ ten, um ihren Glückwunſch wegen der Errettung aus dro⸗ hender Gefahr darzubringen. Der Herzog Chriſtian wandte ſich wiederum der Kurfürſtin zu und ſagte ihr viele galante Dinge. Mit einer Hindeutung auf die reizende Landſchaft und das ſtolze, ſeine Zinnen gegen das Blau des Frühlings⸗ himmels ſcharf abſetzende Schloß, ſagte er lächelnd zu ihr:
„So ſchön dieſer Rahmen iſt, er iſt des ſchönen Bildes doch nicht würdig!“ Indem er ſich bei dieſem Worte gegen ſie verbeugte, lächelte die anmuthige Fürſtin und antwortete
*) Hiſtoriſch. Rellſtab, Drei Jahre. II. 1.


