Teil eines Werkes 
2. Band, 1. Abtheilung (1858)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

20

Wird der Rath Rippell zur Tafel erſcheinen? fragte der Kanzler.

Ich glaube nicht! Der Kurfürſt weiß, daß Tafel halten nicht die Sache des Raths iſt. Er vergräbt ſich zu tief in den Acten, ihm bleibt keine Zeit zu Gaſtmahlen!

Und doch iſt er ein Mann fröhlichen Herzens, gaſt⸗ frei und ein lieber Wirth!

Das will ich meinen! Aber nur im häuslichen Kreiſe. Am liebſten bei ihm ſelbſt! An der Fürſtentafel ſitzt er ungern! Ei, da kommt der Herr Hofprediger! unter⸗ brach ſich Camerarius.

Beide gingen dem eben von unten die Steintreppe her⸗ aufgekommenen Hofprediger Scultetus entgegen, der, etwas erhitzt, ſich den Schweiß von der Stirn trocknend, auf den Altan hinaustrat.

Ah, ſiehe da, rief er ſchon von weitem dem Kanzler entgegen,Ew. Edlen bereits hier! Ich freue mich, Wohl⸗ dieſelben hier zu begrüßen!

Camerarius nahm das Wort:Da Se. kurfürſtlichen Gnaden eben zur Jagd reiten wollten, als der Herr Kanzler ſich bei Höchſtdemſelben durch den Hofmarſchall von Sickingen anmelden ließ, haben Sie geruht, den Herrn Kanzler zur Tafel zu ziehen.

Deſſen ich mich hoch erfreue, entgegnete Scultetus und verbeugte ſich tief. Camerarius winkte ihm bei Seite und ſprach leiſe:Wir halten es nach unſerer Anſicht der wichtigen Angelegenheit, die der Herr Kanzler betreiht, für angemeſſen, daß Se. kurfürſtlichen Gnaden nicht zuvor irgend eine Andeutung erhalte, als ob wir bereits darüber confe⸗ rirt hätten. Unſer ſpäterer Rath, wenn ſich der Herr Kur⸗ fürſt deſſen bedienen ſollte, würde ſonſt nicht unbefangen genug erſcheinen!