„Ihr waret früher niemals hier?“ fragte der Rath. „Ich habe Heidelberg geſtern zum erſten male betreten“, antwortete der Kanzler.„Von Bologna ging ich damals zuvörderſt nach Padua. Demnächſt beſuchte ich mit meinem Oheim, der in Staatsgeſchäften nach Madrid zum Könige Philipp geſandt worden, Spanien. Durch Frankreich kehr⸗ ten wir zurück, nahmen aber unſern Weg von Paris nach Köln. Damals bin ich zwar auch den Rhein hinaufgereiſt zu Pferd, weil die Schiffahrt ſtromauf zu ſchwierig ge⸗ weſen wäre, allein nur bis Mainz. Von dort kehrte ich über Frankfurt, Fulda, Eiſenach, Weimar und Leipzig nach Böhmen zurück. Seitdem habe ich dieſen Theil Deutſch⸗ lands nicht wieder berührt.“
„Und ich habe ihn faſt nie verlaſſen, nur daß ich mit unſerm gnädigſten Herrn zu Amberg in der Oberpfalz, wo er zumeiſt Hof hält, einen großen Theil des Jahres verweile!“
„Ein glücklicher Wohnplatz hier, geſegnet und ſtill!“ ſagte Budowa, und ſein Auge verlor ſich in die Landſchaft.
Hörnerklang, der aus den Bergen gegenüber zu dringen ſchien, ertönte.
„Jetzt kehren ſie zurück!“ rief Camerarius.„Der Schall kommt drüben vom Heiligenberg!“
„Ich bitte um Verzeihung, gnädigſter Herr“, ſagte einer der Diener.„Se. fürſtlichen Gnaden kommen von Wolfs⸗ brunnen her, es iſt nur der Widerhall, was wir von dort drüben vernehmen! Die Jagd war jenſeit des Kaiſerſtuhls über Neckar⸗Gmünd hinaus!“
„So, Nathanael?— So müſſen ſie wol bald hier ſein?“
„Es werden keine zehn Minuten vergehen, denke ich, Herr Rath!“
Camerarius winkte, und der Diener trat zurück.


