Teil eines Werkes 
2. Band, 1. Abtheilung (1858)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

17

müthig.Er wird müde ſein von der Reiſe. Sie ſind heut von Heilbronn bis hierher geritten; zwölf Wegſtunden. Das macht auch Kriegsmänner müde, vollends uns von der Feder!

Ihr glaubt, er werde mich heut nicht mehr ſprechen wollen? fragte Budowa.

Das wäre wol möglich! Vielleicht begleitet er ſogar noch den Herrn aufs Schloß. Nehmt meinen herzlich gemeinten Vorſchlag an, Herr Kanzler, fuhr der Rath fort, da dieſer unſchlüſſig ſchien;zu Geſchäften taugt der Morgen beſſer, zur Erholung der Abend. Ihr ſeht mor⸗ gen auch vielleicht Manches anders und friſcher an.

Man ſoll nichts auf morgen verſchieben!

Doch, Das, was heut einmal nicht abgethan werden kann! Und guter Rath kommt über Nacht!

Wenn ich das auf Euch anwenden könnte! antwor⸗ tete der Kanzler mit einem halb unterdrückten Seufzer.

Auch davon läßt ſich morgen reden. Jetzt werft die Sorge ab und gebt Euch der Erholung hin. In Eurem unruhigen Vaterlande, denke ich, ſind die heitern Stunden ſorgloſen Geſprächs beim Becher jetzt nicht allzu häufig. Genießt eine mit uns, und ſo lange denkt wie der frohe Sänger Horatius: Quid cras futurum sit, fuge quaerere! 1.

Und nochmals bot er dem traurig Sinnenden herzlich die Hand. Dieſer ſagte lächelnd:Wenn ich Euch ſo zu überreden wüßte wie Ihr mich!.

So ſetze nur von dem beſten Rüdesheimer auf, Agathe! rief der Rath mit heiterm Tone, da er in dieſen Worten des Gaſtes Zuſage ſah; und Beide folgten dem anmuthi⸗ gen Mädchen in das Speiſezimmer, das hell von Kerzen leuchtete und wo der für Drei zierlich gedeckte Tiſch,