Teil eines Werkes 
2. Band, 1. Abtheilung (1858)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

4

15

Es iſt der Kurfürſt! rief er überraſcht;ſoeben kehrt er von ſeiner Reiſe nach München zurück!

Auch der Kanzler war ans Fenſter getreten. Mit po⸗ chender Bruſt, denn er war aufs äußerſte bewegt, ſah er den jungen Fürſten vorüberreiten, begleitet von mehrern Rittern und Dienern. Sie waren das Neckarthal herauf⸗ gekommen; der Weg nach dem Schloſſe führte ſie am be⸗ quemſten durch die Stadt und an Rippell's Hauſe vorüber. Der Mond ſchien ſo hell, daß man die Geſtalten der Ein⸗ zelnen wohl unterſcheiden konnte. Neben dem ganz jugend⸗ lichen, fröhlich umherſchauenden und die ehrfurchtsvoll mit unbedecktem Haupte an der Straße ſtehenden Bürger leut⸗ ſelig grüßenden Friedrich V. ritt ein ſchon bedeutend älterer Mann in dunkler, pelzverbrämter Kleidung; er hatte ein würdiges Aeußere.

Der Kanzler heftete ſeinen Blick auf dieſen. Er ver⸗ muthete, wer es ſein möchte, und fragte Rippell:So kehrt auch wol Euer Amtsgenoſſe der Rath Camerarius mit dem Herrn Kurfürſten zurück?

Es iſt Der, welcher ihm zur Seite reitet, antwortete Rippell.

Beide ſchwiegen wiederum, bis die letzten Reiter vor⸗ über waren und der Hufſchlag verhallte.

Welch eine friſche, jugendliche Haltung hat der Kur⸗ fürſt, ſagte der Kanzler;wie leicht und frei ſaß er zu Pferd und wie fröhlich grüßte er umher. Das wäre der Mann, dem die Herzen aller Böhmen entgegenfliegen wür⸗ den, wenn er ein Herz hätte für unſer Schickſal!

Der Rath blieb ſtumm. Budowa trat auf ihn zu und faßte ſeine Hand.

Würdiger Mann, ſagte er warm,ich ſehe wohl,

auf Eure Hülfe, Euer Fürwort kann ich in dieſer An⸗