flur zu treten, welche jetzt durch eine hellbrennende Lampe erleuchtet war.
Im Arbeitszimmer des Raths, das von Acten und Büchern erfüllt, kaum den Raum für einige ſchwerfällige Seſſel ließ, nahmen die beiden Männer Platz.
„Und nun Euer Begehr an mich, Herr Kanzler?“ fragte Rippell. 3
„Euer gnädigſter Herr, der Kurfürſt, hat ſich der pro⸗ teſtantiſchen Sache ſchon ſo lebhaft angenommen, daß wir in Böhmen den Gedanken gefaßt haben, uns ſeinem Schutz und ſeiner Obhut noch ganz beſonders anzuvertrauen. Dür⸗ fen wir darauf hoffen?“—
„Ich denke, Herr Kanzler, der Kurfürſt hat euch ſchon Beweiſe davon gegeben“, lautete die Antwort des Raths. „Ihr ſeid gewiß ſo gut davon unterrichtet wie ich, daß der Graf Mansfeld mit ſeinem Heere doch nur auf Veranlaſſung meines gnädigſten Herrn, als Oberhaupt der Union, in den Dienſt Böhmens getreten iſt, wenngleich die Form dabei eine andere ſein mußte wegen der Verhältniſſe zu Kaiſer und Reich, die die Fürſten der proteſtantiſchen Union zu beachten haben.“.
„Ich weiß es, und alle Böhmen wiſſen es, und ſind dankbar dafür. Doch möchten wir uns dem jungen und doch ſo fromm eifrigen Herrn noch näher verbinden, ſodaß ſeine Rechte, ſeine Liebe, ja ſeine Pflicht, ſich unſerer Sache anzunehmen, ſich noch verſtärkte, verdoppelte!“
„Ich verſtehe Euch nicht!“ entgegnete Rippell im fra⸗ genden Tone.
„Ich glaube es wol“, antwortete der Kanzler,„ich wage auch kaum mich ſelbſt zu verſtehen!“— Er machte eine Pauſe wie Jemand, der über die Form nachſinnt, in der er eine ſchwierige Angelegenheit vortragen möchte. Dann


