Stromrichtung verſehen, über den Neckar zum Brückenthor der Stadt führte, befragte er den Einnehmer, während er den Brückenzoll entrichtete, nach den Wohnungen der kur⸗ fürſtlichen Räthe, Ludwig Camerarius und Leander Rippell. Sie wurden ihm beide bezeichnet. Er ritt in⸗ deſſen zuerſt nach dem Gaſthof Zum Ritter am Markte, ließ ſein Pferd wohl unterbringen, wechſelte das beſtäubte Reiſekleid mit einem andern und begab ſich dann zu dem Rath Camerarius, dem der Kurfürſt Friedrich V. ſein ganz beſonderes Vertrauen ſchenkte. Wenzel von Budowa kannte den Rath ſchon von ſeinen Jugendjahren her, wo er ſich eine Zeit lang mit ihm zu Bologna aufgehalten hatte. Auch ſpäter hatte er ihn noch zuweilen geſehen; doch waren über dreißig Jahre vergangen, ſeit er nicht mehr in Verbindung mit ihm geweſen. Jetzt ſtand er vor dem Hauſe auf dem Heumarkt, welches Camerarius bewohnte. Nachdem er den Klopfer an der Thür mehrmals vergeblich hatte anſchlagen laſſen, öffnete ihm endlich ein alter Diener. Auf ſeine Frage erhielt er den Beſcheid, der Herr ſei mit dem gnä⸗ digſten Herrn Kurfürſten gen München gereiſt, werde aber heute oder morgen zurück erwartet.
Der Kanzler ging daher weiter zu dem Rath Leander Rippell, deſſen Haus hart unterm Schloßberge lag.
Es war inzwiſchen faſt dunkel geworden; nur die nach⸗ ſchimmernde Abendröthe warf noch einen ſchwachen Schim⸗ mer auf die Schloßzinnen; allein hinter den Bergen, jen⸗ ſeit des Neckar, ſchwebte ſchon der Mond herauf und mußte bald ſeine Strahlen ins Thal ſenken. Das Haus ſtand offen. Zur Seite der Hausflur war in einem Gemach eine ältere Frau mit wirthſchaftlichen Anordnungen beſchäftigt. An dieſe wandte ſich der Kanzler mit ſeiner Frage nach dem Rath.


