—
296
Thurn hob den Becher hoch empor:„Einig für den Krieg wie für den Frieden!“
„Einig!“ ſchallten die Stimmen der Männer. Sie ſtießen an, tranken haſtig und eilten ſtürmiſch hinaus.
Das war die Stunde, die Böhmens Loos entſchied! In das Grab des Kaiſers Mathias ſanken die letzten Ueber⸗ reſte von Hoffnung und Vertrauen. Ferdinand hatte kein Herz für Böhmen, Böhmen keins für ihn. Es war keine Wahl, keine Schuld, daß ſie einander ſo widerſtrebten: es war eine Schickung!
Das Kriegsbanner mußte neu aufgepflanzt werden zum Kampf auf Leben und Tod. Bisher war das Schwert gezückt nur in der Aufwallung, im Drange des Augen⸗ blicks; der Kampf verwickelte ſich wider Willen von beiden Seiten. Die Gegner gönnten einander Ehre, Beſtand, Glück; nur die Grenzlinien der Rechte ſollten gezogen wer⸗ den und ſicher geſtellt unter dem Schutze des Schwerts. Der Arm war gewaffnet, das Herz ſchlug dem Frieden.
Jetzt war es anders! Die Flammen des Haſſes loder⸗ ten auf; das Gift der Unverſöhnlichkeit gährte in der Bruſt. Der Friede hatte keinen Glauben mehr! Jeden dünkte er nur die täuſchende Friſt, um mit verdoppelter Gewalt der Zwietracht loszubrechen. Jetzt galt es Rettung oder Ver⸗ nichtung! Eintreten mußte der Böhme für Recht und Glauben, das Erbe der Väter und Enkel, für den Ruhm der Vergangenheit, die Freiheit der Gegenwart, die Sicherheit der Zukunft.— Es gab ein Volk, einen Thron, einen freien Glauben der Böhmen— oder ein Grab verſchlang Alles!


