„Gerad' daran“, antwortete der Kaiſer;„denn ich hab' halt noch Manches zu beſtellen auf dieſer Welt, und die Zeit könnte mir knapp werden.— Für jenſeits muß ich auf die Gnade des barmherzigen Gottes hoffen!“ Bei dieſen Worten faltete er die Hände über dem Bett und ſaß ſtill betend.
Balthaſar, der eben wieder eintrat, blieb bei dem An⸗ blick gefeſſelt in der Thür ſtehen und faltete die Hände gleichfalls, während die Thränen ihm unaufhaltſam die Wangen netzten. Auch Gisbertus ſtand ſchweigend, mit tief geſenktem Haupt; man konnte nicht ſehen, ob nur um ſeinen Schmerz, ſein naſſes Auge zu verbergen, oder ob auch er ſelbſt betete.—
Es war ein Augenblick feierlicher Rührung und Erſchüt⸗ terung. Der, welcher eine Welt beherrſchte in dieſer Welt, ſtand jetzt an der dunkeln Pforte jener, wo, was wir verlaſſen hinter uns, in das flüchtige Nichts zerſtäubt, vor uns die unergründliche Kluft ſich öffnet, deren Tiefe kein menſchliches Auge geſehen, kein menſchliches Maß er⸗ forſcht hat.
So vergingen einige Minuten. Der Kaiſer athmete
ſchwer auf und ſank müde etwas zurück in die Kiſſen. „Laßt mich halt jetzt wieder ein Biſſel ruhen“, ſagte er ſichtlich ermattet;„ich brauche noch Kräfte und muß ſie ſammeln.“ Er lehnte das Haupt an, allein er ſchlief nicht. Balthaſar und der Arzt verrichteten leiſe alle die kleinen Dienſte, die der Zuſtand des Kranken gebot, oder wozu er ihnen irgend einen Wink gab. Er ſprach kein Wort, ſchien aber in ernſtes Nachſinnen zu verſinken. Da trat einer der Diener aus dem Vorzimmer ein und winkte Balthaſar, dem er einige Worte ins Ohr raunte. Der Kämmerer
näherte ſich dem Kaiſer und meldete:„Se. Majeſtät der 1


