Teil eines Werkes 
1. Band, 2. Abtheilung (1858)
Entstehung
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unterhing, ſchlummerte. Es war der Leibarzt Gisbertus. Balthaſar faßte ihn am Arm und rüttelte ihn ein wenig. Herr Doctor, es iſt die Stunde, wo Ihr befohlen habt, Euch zu rufen.

Der Alte, der nur einen leiſen Schlaf hatte, öffnete die Augen; er war gleich bei voller Beſinnung.Iſt es vier Uhr, Balthaſar?

Eben hat die Glocke auf Sanct⸗Stephan die Stunde ausgeſchlagen, antwortete der alte Kämmerer.

Gut, gut, du biſt pünktlich, Alter, das iſt recht Gott möge dir's lohnen, dein Kaiſer wird's leider Gottes nicht mehr lange können! erwiderte Gisbertus, indem er aufſtand und ſeine Kleidung ein wenig zurecht zupfte.Die Arznei iſt doch friſch bereitet?

Ja wol, Herr Doctor! antwortete Balthaſar und nickte mit dem Haupt, indem er wehmüthig mit fragendem Auge an den Zügen des Arztes hing, als wolle er dort irgend einen Ausſpruch über das Schickfal des Kaiſers leſen. Sollte es denn, faßte er endlich den Muth zu fragen, wirklich auf die letzte Stunde gehen?

Das will ich dermalen zuverſichtlich noch nicht ſagen, erwiderte der Arzt, indem er mit ihm der Thür zuſchritt, allein auf den letzten Tag müſſen wir uns wol gefaßt machen!

Sie traten Beide, Balthaſar mit der Lampe voran, in das Krankenzimmer.

Der Kaiſer war ganz allein; er hatte außer ſeinem ge⸗ treuen Balthaſar Niemand um ſich dulden wollen. Es ge⸗ ſchah ſelbſt ohne ſein Wiſſen und gegen ſeinen Willen, daß Gisbertus im Vorzimmer blieb. Er hatte nur eingewilligt, daß zwei jüngere, ärztliche Gehülfen für einen unvermu⸗ theten Fall über Nacht in der Burg verweilen ſollten.