. Dreiundvierzigſtes Capitel.
Es war am 20. März 1619 um vier Uhr des Mor⸗ gens. Das tiefe Dunkel einer rauhen;z ſchwer regneriſchen Nacht umhüllte noch die Kaiſerſtadt. Der Wind der Tag⸗ und Nachtgleiche ſtürmte von den kahlen Feldern draußen herüber über die Wälle und Feſtungsmauern und umſauſte die alterthümlichen Spitzdächer und Thurmzinnen, welche damals die Burg krönten. Der Regen peitſchte die Fenſter mit rauſchendem Schlag.
Im Vorzimmer des Kaiſers Mathias ſaßen bei tief herabgebrannten Kerzen viele von der Dienerſchaft, einige mühſam wachend, andere tief ſchlafend, mit dem Kopf auf dem Tiſch, oder gegen die Wand gelehnt; denn es war ſchon die dritte Nacht, die ſie, da der Kaiſer wiederum ſchwer krank lag, zubrachten, ohne ſich zur Ruhe zu legen. Selbſt das Geräuſch des Regens und das hohle Winds⸗ geheul konnte Die nicht erwecken, die, von der Müdigkeit übermannt, auf den Seſſeln in Schlaf geſunken waren.
Balthaſar öffnete, eine mattglimmende Lampe in der Hand, leiſe die Thür des kaiſerlichen Gemachs und trat wankenden Schrittes ein. Sein Angeſicht war bleich; er ſah tief vergrämt aus. Er ſchien mit den Augen etwas im Vorgemach zu ſuchen, denn die Lampe, die er trug, blendete ihn.„Ach, dort“, ſprach er leiſe und ging be⸗ hutſam auf den Zehen, da die Thür hinter ihm nur ange⸗ lehnt war, auf einen großen ſchwerfälligen Lehnſeſſel zu, in welchem ein alter Mann in ſchwarzem Kleide, dem das ſilberne Haar ſchlicht von beiden Seiten der Scheitel her⸗
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